Wirt (57) räumt mit Abschieds-Gerüchten auf

Hippodrom: Krätz will bis zum 70. weitermachen

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Hippodrom-Wirt Sepp Krätz und seine Frau Tina.

München - Seit Tagen brodelt es in der- Gerüchteküche auf der Wiesn. Gegenüber der tz spricht Hippodrom-Wirt Sepp Krätz Klartext. Er hat noch lange nicht genug!

Wirt Sepp Krätz (57) gäbe am Sonntagabend zum Kehraus seinen Abschied bekannt, lautet ein Gerücht. Ein anderes besagt, seine Frau werde das Hippodrom übernehmen. Gegenüber der tz spricht der Wirt, der wegen der Steuer-Razzien gegen ihn so lange geschwiegen hatte, jetzt Klartext: „Ich werde weitermachen, bis ich 70 Jahre bin!“

Seit Herbst 2010 laufen gegen Krätz Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und möglicher Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen. Bei einer Verurteilung würde Krätz die Konzession fürs Zelt verlieren. Aber freiwillig aufhören? „Nein, da ist nichts dran“, sagt Krätz zur tz. „Null komma null. Ehrenwort!“ Der Wirt des Promi-Zeltes hat auch eine Erklärung für die Gerüchte: „Ach, es gibt doch immer Leute, die mir das nicht gönnen.“ Gut gelaunt fügt der „Gastronom des Jahres 2011“ hinzu: „Das Geschäft läuft prima. Wenn’s gut geht, dann holen wir heuer in 16 Tagen so viel wie letztes Jahr in 17 Tagen.“ Es sei eine schöne Wiesn, und er habe eine super Mannschaft.

Die Könige der Wiesn

Festzelte Wirte Oktoberfest
Fischer Vroni: Hans Stadtmüller und Schwester Silvia zieht es nicht auf den roten Teppich, Wirt Hans dreht lieber auch mal selbst an den Steckerln seiner berühmten Fische. Er ist vor sieben Jahren in die Fußstapfen der legendären „Fischer- Vronis“, seiner Mutter Eva und deren Schwester Anita Schmid, getreten, die gestorben waren. Im Zelt finden 2800 Gäste Platz. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Winzerer Fähndl: Peter Pongratz mit Ehefrau Arabella: Seit 2010 ist Pongratz nicht nur Chef des größten Wiesn-Zeltes mit 8450 Sitzplätzen innen und 2450 im Garten, sondern auch Besitzer eines nagelneuen Zeltes mit technisch hochmodernem zentralen Bierzapfsystem. Der Wirt vom „Paulaner am Nockherberg“ hat das Winzerer Fähndl im Jahr 2003 übernommen. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Bräurosl: Der Vater von Georg Heide, der berühmte Willy Heide, hat das familienfreundliche Zelt mit seinen 6200 Plätzen 2001 an den Sohn übergeben. Dieser leitet es mit vergleichsweise großer Gelassenheit – weil er einfach ein solcher Typ ist, und weil ihm Frau Renate und Tochter Daniela zur Seite stehen. Den Rest des Jahres führt er die „Heide Vollm" in Planegg. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Augustinerzelt: Thomas Vollmer passt perfekt zu seinem bodenständigen und traditionellen Zelt (5600 Plätze). Er ist ruhiger als viele Kollegen und scheut den großen Medienrummel. Auch in der Hausbox ist er seltener anzutreffen. Im normalen Leben arbeitet er in der berühmten „Augustiner Bräustuben“ in der Fußgängerzone. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hippodrom: Bei Sepp und Tina Krätz feiern die Reichen und Schönen. Und der Wirt ist Kult auf der Wiesn, genauso wie sein Zirkuszelt: Sepp Krätz, der Gastronom des Jahres, hat das Hippodrom zu einer Top-Adresse auf der Wiesn gemacht. Motto: klein und fein. Bei den 3000 Gästen kommt schon auch einmal Champagner in die Krüge. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schottenhamel: Christian, Peter und Michael Schottenhamel: In keinem Büro geht’s lustiger zu als bei der Männerbande der Schottenhamels. Peter und Christian sind nicht, wie oft vermutet, Vater und Sohn, sondern Cousins und veräppeln sich gerne gegenseitig. Mittlerweile ist auch Peters Halbbruder Michael im Boot. In ihrem Zelt (6000 Plätze) zapft der OB an. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hofbräu Friedrich und Günter Steinberg haben Platz für 6800 Gäste. Kürzlich haben Günter und seine Frau Margot ein ehrliches Buch über Familienglück und Ehekrisen herausgebracht. Der Titel: „Maßvoll – ein Leben mit Bibel und Bier“. Die gläubige Familie ist in ihrem Zelt und auch in ihrem Hofbräukeller auf Harmonie bedacht. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Löwenbräu: Wiggerl Hagn (r.), Tochter Stephanie Spendler (l.) und Ehemann Michael sind die Chefs im Löwenbräu: Hagn ist ein echtes Münchner Wiesn-Kindl. Seine Eltern haben das Schützen- Festzelt aufgebaut. Logisch, dass auch er Wirt wurde: Seit 1979 gehört ihm das Löwenbräu-Zelt (6000 Plätze). Markantes Wahrzeichen: der 4,5 Meter große, brüllende Löwe. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Käfer Wiesn-Schänke: Michael Käfer mit Ehefrau Clarissa (41) bieten 1164 Gästen Platz. Er ist der prominenteste Wirt auf der Wiesn, nicht zuletzt wegen seines Vaters, dem Feinkost-Mogul Gerd. In seiner kleinen Almhütte ist alles anders: Michael Käfer (52) empfängt tagtäglich dutzende Prominente und muss sich eher um Details kümmern als um große Logistik. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Ochsenbraterei: Nach dem Tod von Wirte-Legende Hermann Haberl im Februar 2011 betreiben seine Frau Anneliese und Tochter Antje Schneider allein die Ochsenbraterei (6000 Plätze). Der Ochs am Spieß ist eines der besten Essen auf der Wiesn. Die Haberls sind seit 1980 auf dem Oktoberfest und zählen zu den Urgesteinen. Bei ihnen fühlen sich vor allem Familien wohl. Die Ochsenbraterei ist auch das perfekte Ambiente für eine gemütliche Firmenfeier. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Kufflers Weinzelt: „Wie verrückt muss man eigentlich sein, auf dem größten Bierzelt der Welt Wein zu verkaufen?“, erinnert sich Stephan Kuffler an die Zeit, als seine Eltern Roland und Doris das Zelt übernahmen. Das war 1984 – und das Konzept ging auf, das Weinzelt ist heute Kult. Hier feiern 2500 Wiesn-Nachtschwärmer bis 1 Uhr! Hoher Flirt- und Promifaktor zu später Stunde. © Kruse
Festzelte Wirte Oktoberfest
Armbrustschützen: Peter Inselkammer und seiner Familie gehört das halbe Münchner Platzl im Herzen der Stadt mit Hotel, Restaurant und Immobilien. Das Armbrustschützen- Zelt mit 5380 Plätzen führt Peters Familie schon seit 20 Jahren erfolgreich. Zu Kopf gestiegen ist ihnen dies alles nicht. Peter Inselkammers Frau Katharina entwirft nebenbei Wiesn-Schmuck. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hackerzelt: In Toni Roiderers Hackerzelt, dem „Himmel der Bayern“, kocht die Stimmung schon ab der ersten Mass. Die Leute stehen gleich nach Einlass auf den Tischen. Der kultige Wirte- Sprecher Toni Roiderer hat mit seiner Frau Christl und den Söhnen Markus und Thomas das 7000-Mann-Zelt zu einem der beliebtesten auf der Wiesn gemacht. Einlass ohne Reservierung: so gut wie unmöglich! © Haag
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schützen-Festzelt Edi Reinbold ist schon seit 30 Jahren auf der Wiesn. Sein Schützen-Festzelt liegt direkt zu Füßen der Bavaria. 4800 Gäste können hier in für Wiesn-Verhältnisse gediegen-gemütlichen Ambiente feiern. Das Essen, insbesondere das Spanferkel, ist hier ausgezeichnet. Mittlerweile ist auch Reinbolds Sohn Ludwig im Geschäft. © Jantz

Nicht der einzige Grund zur Freude: „Mit den Rindern läuft’s auch gut.“ Erst vergangene Woche hatte Krätz für einen seiner Zuchtbullen der Rasse Wagyu die Staatliche Züchtermedaille in Gold von Ministerpräsident Horst Seehofer erhalten. Erstmals bietet Krätz im und vorm Zelt sein mit Alfons Schuhbeck konzipiertes Wagyu-Pflanzerl an.

Und was ist mit seiner Frau Tina, die auch auf dem Frühlingsfest immer mehr in den Vordergrund gerückt ist? Wie viel Wahrheit steckt in den Gerüchten, dass sie die neue Hippodrom-Wirtin wird? „Das geht doch gar nicht. Eher meine Schwester, die ist ja auch Gastronomin und hilft jetzt schon viel im Zelt mit“, sagt der Wirt. Steht die Schwester  in den Startlöchern? Krätz offen: „So ein Zelt würde doch jeder gerne führen!“ Beide müssten sich jedoch wie jeder andere Interessent bei der Stadt bewerben - und da spielt neben anderen Kriterien vor allem auch die Wiesn-Erfahrung eine sehr große Rolle.

Bayern oder Ballermann: Wiesn-Zelte im Vergleich

Für die Prominenz: Das Hippodrom steht direkt am Haupteingang zur Wiesn und versteht sich als Promi-Zelt. Hier kuschelt Heino mit Hannelore, und vor dem Eingang stehen Marianne und Michael mit dem gemeinen Volk in der Schlange. © 
Für die Prominenz: Noch exklusiver geht es in Käfer's Wiesnschänke zu. Hier geben sich Fußballer des FC Bayern ebenso die Ehre wie Werbe-Ikone Verona Pooth oder Ralph Siegel. Im vergangenen Jahr feierten Lothar Matthäus und seine vierte Frau Liliana noch zusammen. Neben der Wiesn-Maß gibt es auch Wein und Champagner. © 
Für die Jugend: Eröffnet wird das größte Volksfest der Welt traditionell im Schottenhamel. Hier sticht Münchens Oberbürgermeister Christian Ude alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an. Überwiegend strömen junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt © 
Für die  Jugend: Ebenso beliebt beim Nachwuchs ist das Hacker-Festzelt mit dem Namen “Himmel der Bayern“. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen ist es eines der schönsten Zelte auf der Wiesn. © 
Für die Reiferen: Bei der Fischer Vroni gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch. In diesem vergleichsweise kleinen Festzelt feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. © 
Für die Reiferen: Im Pschorr-Traditionszelt Bräurosl geht es ebenfalls vergleichsweise urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn-Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den “GaySunday“. Der Name Bräurosl stammt von der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr. © 
Für die Touristen aus aller Welt: Mit einer Fläche von mehr als 5000 Quadratmetern ist das Hofbräu-Festzelt nach eigenen Angaben das zweitgrößte Festzelt auf der Wiesn - und wohl das lauteste. Schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, ist das Gröhlen aus dem Zelt auf dem ganzen Festplatz zu hören. Hier treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon aus dem Hofbräuhaus kennen - und lieben. Hier wird getrunken, getanzt, gesungen und geknutscht. © 
Für die Münchner: Das Augustiner-Zelt liegt schräg gegenüber des Hofbräu-Zelts. Während auf der anderen Straßenseite Australier, Italiener und Japaner um die Wette trinken, feiern im Zelt der ältesten Münchner Brauerei vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. Zur Jubiläums-Wiesn bekommt das Augustiner-Zelt zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder einen 25 Meter hohen Turm. © 
Für die übrigen Bayern: Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen-Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften ausgeschossen werden. © 
Für die übrigen Bayern: Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. © 
Für die übrigen Bayern: Zünftig geht es in der Ochsenbraterei zu. Ein großer Ochse am Spieß ist nicht nur die Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht. © 
Für jeden: Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt, heißt es in der Löwenbräu-Festhalle. Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt “Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und “Zuagroaste“ gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. © 
Für jeden: Das Winzerer Fähndl kommt in diesem Jahr in neuem Gewand daher. Zur Jubiläums-Wiesn leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät. © 
Für Biermuffel: Auf dem größten Bierfest der Welt gibt es tatsächlich ein Festzelt, in dem das Bier nicht in Maß-Krügen ausgeschenkt wird: Im Weinzelt gibt es nur Paulaner-Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. “Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln“, wirbt die Homepage. © 

Zu Beginn der Wiesn hatte sich Krätz auffällig ruhig und bescheiden gegeben. Ein großes Foto von ihm, das immer über dem Eingang prangte, hat er abgehängt. Zum Wirte-Einzug saßen weitaus weniger Promis als in den Vorjahren auf seinem Wagen. Und dann kam ausgerechnet der Wirt, der ohnehin in aller Munde ist, als erster dran bei der Zelte-Razzia des Münchner Zollamts. Ergebnis: Alle Hippodrom-Angestellten von Sepp Krätz sind sauber. Nun, gegen Ende der Wiesn, wirkt der Wirt vom Andechser am Dom und der Waldwirtschaft locker und befreit. Im Gespräch mit der tz ruft er seinen Küchenchef her. „Stell dir vor, die wollen wissen, ob ich am Sonntag aufhöre!“ Zur Demonstration, wie unsinnig er diese Frage findet, lacht er laut los.

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