Anstich am 21. September

Festzelte auf dem Oktoberfest 2019: Nur in einem wird noch aus Holzfässern gezapft

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Das Hofbräu-Festzelt ist mit fast 10.000 Plätzen drinnen und draußen das größte Zelt auf dem Oktoberfest 2019.

Vom 21. September bis 6. Oktober fließt auf dem Oktoberfest 2019 wieder das Bier literweise. Doch nur in einem Festzelt wird noch aus traditionellen Holzfässern gezapft.

München - In allen Bierzelten auf dem Münchner Oktoberfest wird gefeiert, geflirtet und getrunken. Doch es gibt - zumindest nüchtern betrachtet - deutliche Unterschiede. Eine Zeltkunde:

Oktoberfest 2019: Armbrustschützenzelt

Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, unter anderem zur Bewirtung von Schützen. Die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen-Tradition hochgehalten. In einem Anbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn.

Oktoberfest 2019: Augustiner

Im Zelt der ältesten Münchner Brauerei Augustiner feiern vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Welche Biersorten gibt es in welchem Zelt? Wir klären auf.

Oktoberfest 2019: Bräurosl

Die Pschorr Festhalle „Bräurosl“ ist nach der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr benannt. Auch dort geht es weitgehend urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn-Sonntags. Dann feiern hier Tausende Homosexuelle den „GaySunday“.

Oktoberfest 2019: Fischer-Vroni

Bei der Fischer-Vroni feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. In diesem vergleichsweise kleinen Zelt gibt es eine bayerische Spezialität: Steckerlfisch.

Oktoberfest 2019: Hacker-Festzelt

Jugendlich ist das Publikum, das im Hacker Festzelt unter dem „Himmel der Bayern“ feiert. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen gilt es als eines der schönsten Zelte. Doch wann öffnet es eigentlich seine Tore?

Oktoberfest 2019: Hofbräu-Festzelt

Das mit fast 10.000 Plätzen drinnen und draußen das größte und vermutlich auch lauteste Zelt: Im Hofbräu-Zelt treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon im Hofbräuhaus kennen und lieben gelernt haben. Aus dem Zelt dröhnt schon morgens, bevor die Musik anfängt, Grölen über den Festplatz.

Oktoberfest 2019: Käfer Wiesn-Schänke

Nirgendwo geht es exklusiver zu als in Käfers Wiesn-Schänke. Die Promi-Dichte ist hoch, im Käfer-Zelt gibt es neben Bier auch Wein und Champagner.

Oktoberfest 2019: Kufflers Weinzelt

Im Weinzelt der Familie Kuffler liegt der Fokus - wie der Name schon sagt - nicht auf dem Bier. Dort gibt es kein Helles in Maßkrügen, dafür Wein in großer Vielfalt und Champagner. Paulaner liefert das Weißbier vom Fass.

Oktoberfest 2019: Löwenbräu-Festhalle

Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt „Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und Zugroaste gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten.

Oktoberfest 2019: Marstall

Wo jahrzehntelang Promis im Hippodrom feierten, steht seit 2014 der Marstall. Vieles ähnelt im Marstall dem Vorgänger: Champagnerbar, Tischdecken und erlesene Speisekarte. Und prominente Gäste. Doch auch hier wollen Wiesn-Bedienungen diese acht Sätze garantiert nie mehr hören.

Oktoberfest 2019: Ochsenbraterei

In der Ochsenbraterei geht es zünftig zu. Seinen Namen hat das Zelt von dem großen Ochsen am Spieß, der nicht nur Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts ist. Seit fast 130 Jahren werden hier ganze Ochsen am Stück gebraten. Sie haben Namen: Paul, Max und Bernhard hingen schon am Spieß.

Oktoberfest 2019: Schottenhamel

Im Schottenhamel wird das größte Volksfest der Welt traditionell eröffnet: Der Oberbürgermeister zapft hier das erste Fass Bier an und gibt damit den Startschuss für das Fest. Danach strömen überwiegend junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt.

Oktoberfest 2019: Schützen-Festzelt

Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Nach wie vor findet - abseits der feiernden Gäste - an 110 Schießständen das traditionelle Oktoberfest-Landesschießen des Bayerischen Sportschützenbundes statt.

Oktoberfest 2019: Paulaner-Festhalle

Zur Jubiläums-Wiesn 2010 leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Sein Wahrzeichen ist der Turm mit dem sich drehenden Paulaner Maßkrug unterhalb der Bavaria. Die Paulaner Festhalle - früher Winzerer Fähndl - hat schon längere Zeit eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät.

Werkeln für die Wiesn: Wir erklären den Aufbau des Paulaner Festzelts

Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Damit die Festgäste später einen freien Blick auf die Bühne haben, muss Peter von Lieven (58) eine Art Empore bauen. Dabei ist Maßarbeit gefragt! 30 hölzerne Nagelbinder bilden das Gerüst, auf dem der Boden der Brauereibox ruht. Dabei ist Vorsicht geboten – und jede Menge Konzentration gefragt. Denn: „Vor ein paar Jahren“, erinnert sich von Lieven, „hat ein Mann bei der Montage zwei Finger verloren.“ Man darf nicht vergessen, so der Zimmerermeister weiter, „hier werden keine Fliegengewichte bewegt, sondern Tonnen – und davon mehrere am Tag.“ © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Er ist das Wahrzeichen des Zelts – und das seit über 100 Jahren! Der 25 Meter hohe Turm. Klar, dass der massige Quader jedes Jahr als Erstes steht – in der Regel zwei Wochen, nachdem die ersten Lkw-Ladungen Material auf der Theresienwiese angerollt sind. Für Festzelt-Wirtin Arabella Schörghuber ist der Turmbau jedes Jahr wieder etwas ganz Besonderes. Denn: „Sobald man den Masskrug über dem Gelände schweben sieht“, schwärmt die 52-Jährige, „weiß man: Jetzt geht’s langsam wirklich los.“ © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Zugegeben: Still sind sie nicht, die Örtchen auf der Wiesn. Aber dafür sind sie in der Regel erstaunlich sauber. Vor dem Paulaner Festzelt steht heuer sogar ein nigelnagelneuer Container. Übrigens: Auf dem gesamten 31 Hektar großen Festgelände gibt’s rund 1400 Toiletten, 42 davon sind behindertengerecht. Würde man allein die „Stehplätze“ aneinanderreihen, ergäbe das eine Strecke von einem Kilometer. © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
So ein Wiesn-Zelt ist eine hygienische Meisterleistung! Grund dafür sind unter anderem die quadratischen Schächte, die tief unter der Erde schlummern. Rund 40 Wasserzuläufe verstecken sich unter dem Zeltboden, um das Abwasser abzutransportieren und die Küche mit frischem Wasser zu versorgen. Damit die Ver- beziehungsweise Entsorgung reibungslos klappt, müssen die Leitungen regelmäßig gewartet werden. Übrigens: Das Kanalnetz der Stadt, durch das auch das Wiesn-Abwasser fließt, umfasst knapp 2000 Kilometer Rohr. © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Im Paulaner Festzelt fließt das Bier in Strömen – und das ist in dem Fall sogar wirklich wörtlich gemeint! Schließlich verläuft unterhalb des Zeltbodens – in rund einem Meter Tiefe – eine Bierleitung. Die ist direkt an die Schänken angeschlossen. An jedem der elf Zapfhähne werden rund 15 Mass pro Minute gezapft. Das macht knapp 10.000 Mass in der Stunde! Damit der goldene Gerstensaft zum Wiesn-Start am 21. September auch ordentlich sprudeln kann, müssen die 260 Meter langen Leitungen vorher aber erst einmal gründlich gereinigt werden. Für die Anlagen-Techniker bedeutet das: runter ins Erdreich. Hinter dem Festzelt, vor den Augen der Feiernden verborgen, befindet sich das Herzstück der Konstruktion: der Technik-Container. Die gut sieben Meter lange Box verbindet die Biertanks mit der Ringleitung und sorgt für die ideale Temperatur. Herr der Ringleitung ist Uwe Daebel. Der 62-Jährige hat die Kon-struktion vor ein paar Jahren erfunden und seitdem an mehreren Orten installiert. So zum Beispiel auch in den Katakomben des Olympiastadions. © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Wer am Zeltaufbau beteiligt ist, sollte vor allem eines sein: schwindelfrei. Schließlich werden die meisten Arbeiten in luftiger Höhe verrichtet. In der Küche zum Beispiel muss die Decke neu lackiert werden. Und auch die Querbalken brauchen einen neuen Anstrich. Sechs Meter ist Dennis Weber dafür mit einer gigantischen Scherenbühne nach oben gefahren. Immer mit dabei: ein Paar Handschuhe, eine Kappe und ein Mundschutz. Der schirmt den Maler vor herumwirbelnden Staubwolken und beißenden Gerüchen ab. © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Für die Festzelt-Wirtin Arabella Schörghuber (re.) und ihre Tochter Ramona (li.) ist der Wiesn-Aufbau jedes Jahr wieder magisch. Wenn die gigantische Halle in den Himmel wächst, wenn an jeder Ecke gewerkelt wird, dann ist sie fast schon greifbar, die Wiesn. Die, wie die Wirtinnen sagen, „schönste Zeit im Jahr“. Um den fleißigen Handwerkern die Zeit auf der Baustelle zu versüßen, bringt Ramona Pongratz regelmäßig ein paar Brotzeit-Brettl vorbei. Denn wie heißt es so schön: In der Ruhe liegt die Kraft – und davon braucht man auf der Wiesn ja bekanntlich jede Menge… © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Die gigantischen Pläne für das Festzelt lesen sich wie ein Rätsel – zumindest für Außenstehende. Für die Mannschaft ist die Sache hingegen sonnenklar. Logisch! Schließlich muss jeder Handgriff sitzen. Und das von der ersten Sekunde an. Wo und wann an welcher Stelle gewerkelt wird, klären die Unternehmen meistens ein paar Wochen vor dem Aufbau. Bauleiter Thomas Konietschke (links) kennt die Abläufe inzwischen auswendig. Und auch Zimmerer-Kollege Ulli Pletschacher (rechts) weiß, was zu tun ist – mit und ohne Plan. © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Rund 80 Lkw-Ladungen landen jedes Jahr um den 8. Juli herum auf der Theresienwiese – pro Zelt! „Die einzige Möglichkeit, das ganze Material dort hinzubekommen, wo man es braucht, ist der Gabelstapler“, verrät Ulli Pletschacher (44). Der Zimmerermeister weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er heuer bereits zum neunten Mal beim Aufbau des Paulaner Festzelts dabei. „Irgendwann sitzt jeder Handgriff“ – und auch die elfköpfige Zimmerer-Mannschaft ist perfekt eingespielt. „Die Schwierigkeit besteht eher da-rin“, so Pletschacher, „jedes Jahr wieder dieselbe Sorgfalt an den Tag zu legen und bei der Arbeit nicht zu schludern.“ © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Sie wirken wie ein warmer Sommertag, die strahlend gelben Planen. Um die hölzernen Balken zu kaschieren, die das gigantische Zeltdach tragen, braucht es über 25 Kilometer Stoff! Aber keine Angst, liebe Leser, die Bänder müssen nicht gebügelt werden. „Zumindest nicht jedes Jahr“, weiß Bauleiter Thomas Konietschke. Aber: In die Reinigung kommen sie trotzdem nach jedem Fest. Damit die Bänder keine Falten kriegen, werden sie nass aufgehängt und anschließend sorgfältig in Containern vor Staub und Schutt geschützt verstaut. © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Pünktlich zum 200. Oktoberfest hat die Paulaner Brauerei ein neues Festzelt in Auftrag gegeben. Zum neuen, viel farbenfroheren Anstrich gehören auch die fünf Meter langen Wandpaneele, die der Hamburger Illustrator Jean-Pierre Kunkel entworfen hat. Die urigen Biergarten-Szenen sollen Lust machen auf die Wiesn – auf Schweinsbraten, Wurstsalat und Brotzeitbrettl. Die ersten Bilder hängen schon – in der Hausbox rechts neben dem Eingang, direkt gegenüber der Brauereibox. © Achim Frank Schmidt
Wiesn-Aufbau im Winzerer Fähndl
Haben Sie sich auch schon mal gefragt, liebe Leser, wo die Blaskapellen ihre Instrumente lagern? Ihre Noten, Koffer und Kostüme? Schließlich sind die Festhallen vor allem am Abend fast immer bis auf den letzten Platz belegt. Die Antwort wurzelt tief – im wahrsten Sinne des Wortes! Schließlich ist die Bühne, die in der Mitte des Festzelts steht, in den Boden eingelassen. Unterhalb des hölzernen Podests befindet sich ein kleiner Lagerraum. Der ideale Ort zum Entspannen und Verschnaufen. Übrigens: Im Paulaner Festzelt sorgen auch heuer wieder Die Nockherberger für Stimmung. © Achim Frank Schmidt

Oktoberfest 2019: Festzelt Tradition auf der Oidn Wiesn

Zünftige Blasmusik und Alt-Münchner Schmankerl: Hier kommen traditionsbewusste Gäste auf ihre Kosten, denen Landhaus-Mode und Mini-Dirndl ein Gräuel sind. Trachtler, Schuhplattler und Goaßlschnalzer sorgen für „griabige“ (gemütlich-kernige) Stimmung.

Oktoberfest 2019: Herzkasperl-Zelt auf der Oidn Wiesn

Dieses etwas kleinere Zelt auf der Oidn Wiesn lockt Volkstanzbegeisterte und Fans von moderner Volksmusik: Junge Gruppen, die mit stilübergreifenden Elementen neue Richtungen entwickeln, bieten ein abwechslungsreiches Programm.

Oktoberfest 2019: Zur Schönheitskönigin auf der Oidn Wiesn

Die Wirtsleute wollen hier die Kultur des Volkssängertums neu beleben, die um die Jahrhundertwende in Wirtshäusern und Bühnen von München, Berlin und Wien lebendig war. Die große Politik dient ebenso als Zielscheibe wie der kleinbürgerliche Alltag. Zu den Protagonisten zählte etwa Karl Valentin.

Das ist Ihnen noch nicht genug? Kein Problem! Wir haben alle wichtigen Infos zu den Festzelten für Sie zusammengestellt.

Wer noch auf der Suche nach einer Tischreservierung für die Wiesn ist, muss tief in die Tasche greifen. Ein Mann ist nun auf ein irres Angebot gestoßen.

dpa

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