Ein Münchner im Duell gegen unseren Reporter

Oktoberfest 2018: Bayern gegen Preißn – wer gewinnt den Wiesn-Wettkampf? 

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Christoph Pasta tritt gegen tz-Reporter Severin Heidrich (rechts) an. Zwischenstand: 1:0

Ob Hau den Lukas, Dosenwerfen oder Schießen: Unser tz-Reporter Severin Heidrich stellt sich im großen Wiesn-Duell einem waschechten Münchner. 

München - Bayern gegen Preißn: Vor 150 Jahren trugen die unvereinbaren Völker dieses Duell militärisch aus. Das Resultat: Bei Uettingen mussten die Bayern eine herbe Niederlage einstecken. Die Schmach ist nicht vergessen, doch heuer ist es so weit: Rache! Ich bin Severin Heidrich aus Berlin - dem Epizentrum des Preußentums - und tz-Reporter. Ich habe mich freiwillig gemeldet, um mich auf der Wiesn den echten Bayern zu stellen.  Mein angriffslustiges Motto: „Es reicht! In meinem Herzen klafft eine Wunde: Jahrelang hat man mich als ,Saupreiß‘ beschimpft.“ Fünf Disziplinen stehen an: Hau den Lukas, (Wein-) Flaschen-Stemmen, Schießen, Dosenwerfen und Spickern. 

(Hier gelangen Sie zu unserem Oktoberfest-Ticker.)

Oktoberfest 2018: Hau den Lukas

Menschen oberhalb des Weißwurst-Äquators können schon aus mythologischen Gründen mit größeren Hämmern umgehen. Denken Sie nur an den Germanen-Gott Thor! Der Bayern-Lukas am südlichen Ende der Wirtsbudenstraße erschien mir geeignet, um dem Münchner Versicherungskaufmann Christoph Pasta (38, li.) eine Abreibung zu verpassen. Doch er übertraf mich leicht… Na ja, pure Gewalt ist eben nicht die feine preußische Art.

Christoph Pasta tritt gegen tz-Reporter Severin Heidrich (rechts) an. Zwischenstand: 1:0

Oktoberfest 2018: Flaschen-Stemmen

Ich habe mal gehört, dass Bayern Masskrüge stemmen: Sie halten die Krüge so lange, bis einer nicht mehr kann. Die wiegen aber gerade mal etwas mehr als ein Kilo. Lächerlich! Deshalb begebe ich mich ins Weinzelt von Stephan Kuffler (li.). Er holt aus der Schänke zwei Magnum-Flaschen Wein - je 1,5 Liter fassen die. Ich strecke den Rosé von mir weg und warte. Herrn Kuffler scheint das gar nichts auszumachen: Mit einer Hand in der Hosentasche plaudert er mit mir, als wäre nichts. Nach zwei Minuten und acht Sekunden ist der Spuk vorbei. Aua!

Zwischenstand: 2:0

Oktoberfest 2018: Dosenwerfen

Volker ist 39 Jahre alt und arbeitet beim TÜV. Ein Bayer beim TÜV? Technische Prüfungen erfordern preußische Tugenden: Sorgfalt und Disziplin. Am Stand von Franz L. geht es darum, mit ledrigen Bällen Dosen abzuräumen. Ich schlage mich nicht schlecht: Die Büchsen fallen - doch leider nicht alle. Mein Starnberger Kontrahent wirft ein wenig sorgfältiger und disziplinierter als ich. Man könnte fast meinen, er sei aus Preußen!

Zwischenstand: 3:0

Oktoberfest 2018: Schießen

An der Schießbude Goldener Westen geht es weiter. Mein bayerischer Gegner heißt Günther Timm. Der 52-Jährige schaut mir nach einem versierten Schützen aus. Doch er trifft nur ein einziges Mal - bei 15 Schuss. „Bei der Bundeswehr habe ich das besser hinbekommen“, sagt er. Pah, diese Gurkentruppe hat nicht einmal vernünftige Pickelhauben… Ich hingegen schieße locker aus der Hüfte und treffe drei Mal so oft wie Günther. Keine Glanzleistung, aber mein erster Punkt!

Zwischenstand: 3:1

Oktoberfest 2018: Spickern

Nach dem klaren Sieg beim Schießen bin ich euphorisiert. Ich schnappe mir Moritz, einen bayerischen Jüngling aus Dachau. Bei der Spicker Karin ist die ganze Wand voller Luftballons, die nur darauf warten, von meinen preußischen Pfeilen durchbohrt zu werden. Und so kommt es: Hart und präzise wie aus einer Muskete hageln meine Spicker auf die Ballons ein, die sofort zerbersten. Die vorherigen Niederlagen, die Schmach, die Schande... All das fährt aus mir heraus und nährt die Zerstörungswut. Ich gewinne deutlich mit 2:1. Doch es nützt ja nichts. 

Zwischenstand 3:2

Oktoberfest 2018: Fazit im Kampf Bayern gegen Preußen

Gut, ich habe verloren. Nehmt den Sieg, liebe Bayern! Ihr habt ihn redlich verdient: Ihr seid eben doch besser beisammen, als ich dachte. Und eure Fußballer werden -sicher auch bald wieder in Tritt kommen. Was bleibt vom großen Bayern-gegen-Preißn-Kampf? Alle meine Kontrahenten waren äußerst nett und oft gar nicht so viel besser als ich. Ein „bisserl“ besser halt. Und das ist ein guter Grund, warum es Bayern noch gibt. Und Preußen eben nicht mehr.

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