STS-Liedermacher verrät

Die Wahrheit über den Wiesn-Hit "Fürstenfeld"

München - Die 6000-Einwohner-Stadt Fürstenfeld in der Steiermark wurde durch den Wiesn-Hit des Trios STS weltberühmt. Bandmitglied Schiffkowitz verrät ein Geheimnis um um den Song "Fürstenfeld".

Der Wiesn-Hit 2010 von oktoberfest-live: Fassl voll Bier

Fürstenfeld vom steirischen Rock-Trio STS (Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz) ist legendär – jedenfalls überall dort, wo Menschen tanzend auf Bänken und Tischen stehen. Aber der Liedermacher, der dem vereinigten ­Partyvolk aus München, Bottrop und Amsterdam diese Hymne (ein-)geschenkt hat, weiß das nur vom Hörensagen. „Ich hätte ja nie gedacht, dass der Song mal solche Kreis ziehen würde. Das freut mich natürlich. Aber ehrlich gesagt: Ich bin kein Biertrinker“, gesteht Schiffkowitz im tz-Gespräch, „was soll ich also auf dem Oktoberfest?“

Dennoch verfolgt ihn "Fürstenfeld" – weil sich das Stück einem Gefühl widmet, das er schon lange zu ergründen versucht: Was ist Heimat? „Diese Frage diskutiere ich seit 15 Jahren“, sagt Schiffkowitz. Mit seiner neuen, gleichnamigen Solo-CD "Schiffkowitz" bemüht sich der Künstler, der eigentlich Helmut Röhrling (64) heißt („Den Spitznamen hab’ ich schon weit vor STS-Zeiten erhalten“), um ehrliche, tiefgründige Antworten. „Frag mich ned, was Heimat is. Ich kann dir das ned sag’n. Ich weiß nur für mich: Man kann mehr als eine hab’n“, singt er im vielleicht besten Stück, das schlicht Heimat heißt.

Eine Einstellung, die ihn von seinem Kollegen Timischl unterscheidet: „Den Günter zieht es immer wieder nach Fürstenfeld. Egal wo wir gerade auftreten: Nach dem Konzert schaut er, dass er so schnell wie möglich nach Fürstenfeld kommt.“

Bayern oder Ballermann: Wiesn-Zelte im Vergleich

Für die Prominenz: Das Hippodrom steht direkt am Haupteingang zur Wiesn und versteht sich als Promi-Zelt. Hier kuschelt Heino mit Hannelore, und vor dem Eingang stehen Marianne und Michael mit dem gemeinen Volk in der Schlange. © 
Für die Prominenz: Noch exklusiver geht es in Käfer's Wiesnschänke zu. Hier geben sich Fußballer des FC Bayern ebenso die Ehre wie Werbe-Ikone Verona Pooth oder Ralph Siegel. Im vergangenen Jahr feierten Lothar Matthäus und seine vierte Frau Liliana noch zusammen. Neben der Wiesn-Maß gibt es auch Wein und Champagner. © 
Für die Jugend: Eröffnet wird das größte Volksfest der Welt traditionell im Schottenhamel. Hier sticht Münchens Oberbürgermeister Christian Ude alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an. Überwiegend strömen junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt © 
Für die  Jugend: Ebenso beliebt beim Nachwuchs ist das Hacker-Festzelt mit dem Namen “Himmel der Bayern“. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen ist es eines der schönsten Zelte auf der Wiesn. © 
Für die Reiferen: Bei der Fischer Vroni gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch. In diesem vergleichsweise kleinen Festzelt feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. © 
Für die Reiferen: Im Pschorr-Traditionszelt Bräurosl geht es ebenfalls vergleichsweise urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn-Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den “GaySunday“. Der Name Bräurosl stammt von der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr. © 
Für die Touristen aus aller Welt: Mit einer Fläche von mehr als 5000 Quadratmetern ist das Hofbräu-Festzelt nach eigenen Angaben das zweitgrößte Festzelt auf der Wiesn - und wohl das lauteste. Schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, ist das Gröhlen aus dem Zelt auf dem ganzen Festplatz zu hören. Hier treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon aus dem Hofbräuhaus kennen - und lieben. Hier wird getrunken, getanzt, gesungen und geknutscht. © 
Für die Münchner: Das Augustiner-Zelt liegt schräg gegenüber des Hofbräu-Zelts. Während auf der anderen Straßenseite Australier, Italiener und Japaner um die Wette trinken, feiern im Zelt der ältesten Münchner Brauerei vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. Zur Jubiläums-Wiesn bekommt das Augustiner-Zelt zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder einen 25 Meter hohen Turm. © 
Für die übrigen Bayern: Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen-Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften ausgeschossen werden. © 
Für die übrigen Bayern: Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. © 
Für die übrigen Bayern: Zünftig geht es in der Ochsenbraterei zu. Ein großer Ochse am Spieß ist nicht nur die Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht. © 
Für jeden: Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt, heißt es in der Löwenbräu-Festhalle. Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt “Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und “Zuagroaste“ gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. © 
Für jeden: Das Winzerer Fähndl kommt in diesem Jahr in neuem Gewand daher. Zur Jubiläums-Wiesn leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät. © 
Für Biermuffel: Auf dem größten Bierfest der Welt gibt es tatsächlich ein Festzelt, in dem das Bier nicht in Maß-Krügen ausgeschenkt wird: Im Weinzelt gibt es nur Paulaner-Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. “Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln“, wirbt die Homepage. © 

Dagegen plagt Schiffkowitz immer wieder das Fernweh, das spiegelt sich auch in der neuen CD wider – übrigens erst seine zweite, elf Jahre nach "Er selbst". „Sie ist sehr autobiografisch geprägt, spannt den Bogen meines Lebens und handelt viel vom Reisen“, berichtet Röhrling. Seine Texte sind nicht in Wien, Sinabelkirchen oder Spinatz entstanden, sondern auf Kreta, Mallorca, in der Schweiz oder Slowenien. „Ich kann nur unterwegs ­schreiben“, erklärt Schiffkowitz. „Wenn ich irgendwo auf der Welt bin, hoffe ich immer, dass mich die Muse dort küsst.“

Das hat sie meistens getan, in aller Welt entstanden Lieder zum Nachdenken, Werte wie Weltoffenheit und Toleranz bekommen eine eigene Note: Hotel Gülhane etwa oder Welt ohne Religion. Dabei klingt durch, dass Schiffkowitz eigentlich nur eins sicher weiß: dass es auf die Kernfragen des Lebens meistens mehr als eine Wahrheit gibt.

Ein Geheimnis um Fürstenfeld

Apropos Wahrheit: Gefühlte 100 Wiesn nach der Premiere von Fürstenfeld lüftet Schiffkowitz eines der letzten Geheimnisse: Auf der Kärntner Straße in Wien hat er in seiner Sturm- und Drangzeit als Straßenmusikant nämlich nie gespielt. Es waren Erlebnisse in Zürich, die er 1984 in das Lied verarbeitet hat. Macht aber nix, schließlich gibt es ja auch auf dem Oktoberfest zwei Wahrheiten: Man kann mit Bier oder mit Wein auf prima Musik anstoßen.

A. Beez

Rubriklistenbild: © dpa, Haag

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