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„Weiß nicht, was die geraucht haben“: Wiesn-Legende Schichtl kommt mit Alltagssprache nicht klar

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Der Schichtl Manfred Schauer ist genervt.
Der Schichtl Manfred Schauer ist genervt. © Marcus Schlaf

Hiker, Runner, Biker? Oktoberfest-Legende Manfred Schauer reicht’s. Er kritisiert das viele „Englisch“ in der Alltagssprache der Münchner.

München – Die bayerische Fahne baumelt träge von seiner Schulter – und Manfred Schauer ist genervt. Der Mann, der als Schichtl mit seinem Kuriositätenkabinett eine Oktoberfest-Institution betreibt, mag sich nicht anfreunden mit der neuen Alltagssprache in unserer Stadt. Viel zu viel Englisch kommt seiner Meinung nach da vor, zum Beispiel wenn Driver auf ihren Scootern unterwegs sind. Welche Begriffe ihn sonst noch rasend machen, sagt der Schichtl in unserer Zeitung:

Wiesn-Legende Schichtl ärgert sich über Englisch in Münchner Alltagssprache

„Zurzeit lese ich immer wieder von Protected Bike Lanes, einem Pilotprojekt der Stadt. Ich frag mich jetzt: Ist das City high fidelity für Insider oder nur halb so gefährlich wie ein gesicherter RadlWeg? Und was mach ich eigentlich, wenn ich bloß a Radl und kein Bike hab? Vor allem: Ich weiß nicht, was die Installateure solcher Wort-Schöpfungen geraucht haben, aber gesund war das Zeug garantiert nicht… Auf alle Fälle hätt ich einen Tipp. Ohrwaschl ohne Kopfhörer und nachts mit Licht: Des is so was von protected, das sollte öfters mal ausprobiert werden.

Außer Radeln treib ich gern Sport, auch Dauerlauf – und bin damit ziemlich allein in Stadt und Wald zwischen vielen, die zwar dasselbe tun, sich aber Walker, Hiker oder Runner nennen. Auf den Trail gehen sie nur im Funktions-Shirt, mit Legwarmers, Condition-Distance-TimerWatch und Power-Snack. Eh klar: Ohne Handy (Wort ohne Herkunft!) ist das alles unmöglich. Überall und unvermeidbar dazwischen die Abgetretenen auf ihren Stromrollern. Die Polizei vermeldet dazu good news, im ersten Halbjahr 2022 sind schon 22 Prozent aller gecheckten Driver und Driverinnen nüchtern gewesen – oder so ähnlich.

Cool, man! Als Englisch-Kurs für vorwärtsstrebende Zurückgebliebene wäre nun etwa die Lektüre der Fernseh-Programme der Privatsender anzuregen. Da sind oft Bilder dabei, und partiell gibt’s ergänzende Texte in hiesig. Ich mach mir Sorgen um den Verbleib unserer Muttersprache, die derzeit in einem existenzbedrohenden Sprachgulasch ihre Werte, Worte und Bedeutung zu verlieren scheint. Nicht dass es uns so geht wie den Ösi-Nachbarn: Die haben die österreichische Sprache komplett verloren und reden jetzt – deutsch!

Die Sprache der Dichter und Denker, schon deutlich infiltriert vom anglo-amerikanischen Kauderwelsch, nachweislich eingeschleppt von – den Piefkes. Das geht sogar bis zum Tschüss. Wir Bayern haben eine andere Vergangenheit. Dialektische und sprachliche Hinterlassenschaften französischer Passanten in Uniform um 1812 sind Teil unserer Sprachkultur geworden, die heute noch gern ausgesprochen werden. Böfflamott und so… Und überhaupt die Franzosen! Die reden Französisch, mehr braucht’s da ned.“

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