„Das ist ein Teufelskreis“

Oktoberfest-Schausteller mit düsterer Prognose - auch für Weihnachtsmärkte

Schausteller Florian Thomä hat eine düstere Prognose - bis weit nach dem Oktoberfest.
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Schausteller Florian Thomä hat eine düstere Prognose - bis weit nach dem Oktoberfest.

Die Wiesn ist abgesagt, die Corona-Krise dringt immer mehr in den Alltag ein. Florian Thomä, Schausteller auf der Wiesn, hat eine düstere Prognose - bis weit nach dem Oktoberfest.

München - Es war eine Entscheidung, mit der man gerechnet hat. Dass der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag (21. April) dann offiziell dem Oktoberfest eine Absage erteilten - eher Formsache. Trotzdem hat das Aussprechen des Wiesn-K.O viele bis ins Mark getroffen. So wie Schausteller Florian Thomä aus München, für den die Folgen der Krise dramatisch sind.

München: Oktoberfest abgesagt - Schausteller bangen um ihre Existenz

„Es ausgesprochen zu hören, dass das Aus besiegelt ist, das trifft einen dann doch schwer,“ sagt der 30-jährige Münchner. Er betreibt zusammen mit seiner Mutter einen „Spicker-Stand“, also das klassische Pfeilwerfen auf Ballons. Von April bis zum Oktoberfest ist der Familienbetrieb damit unterwegs. „Wir sind auf den unterschiedlichsten Festen, von Garmisch bis Pullach, Pfingstfeste oder kleinere Veranstaltungen - bis dann zum Ende der Saison das Oktoberfest wartet,“ so Thomä. In der Winter-Saison betreiben sie dann von Ende Oktober bis Februar einen Maroni-Stand, etwa am Stachus in München.

Der Spicker-Stand von Florian Thomä und seiner Mutter.

Coronavirus in München: Schausteller bangen nach Wiesn-Aus um ihre Zukunft

Die ersten Absagen wegen des Coronavirus trudelten bereits im Februar ein, je mehr Zeit verging, desto absehbarer war für die Schausteller, dass dieses Jahr ganz anders werden könnte. „Mir war recht schnell klar, dass heuer eher nichts mehr stattfinden kann, da war ich nicht pessimistisch, sondern einfach Realist.“ Die Einnahmen für die Schausteller brechen damit komplett ein, man könne ja keine To-Go-Produkte an den Mann bringen, wie es etwa in der Gastronomie möglich ist, konstatiert Thomä. Die Sofort-Hilfen der Regierung hat er bereits in Anspruch genommen, was dem Buden-Besitzer nach völlig unbürokratisch und schnell über die Bühne gegangen sei. Doch das, so der Münchner, sei natürlich kein wirtschaftliches Polster für ein gesamtes Jahr.

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Corona in München: Schausteller vor banger Zukunft - auch bis Weihnachten

„Bis wir keinen Impfstoff haben, bin ich mir sicher, dass eine Normalität, die unser Geschäft wieder erlaubt, nicht geben wird.“ Florian Thomä geht sogar noch einen Schritt weiter - für ihn sind auch die Weihnachtsmärkte im kommenden Winter in Gefahr. Für ihn ist selbst mit starken Lockerungen das Geschäft mit Maroni in Gefahr - komme die Ware doch aus Ländern wie Italien oder Spanien, in denen die Maßnahmen noch strikter sind: „Die haben massive Probleme mit der Ernte, das ist ein Teufelskreis.

Ein Leben ohne das Oktoberfest kann er sich offenbar nicht vorstellen. Auf die jüngst verkündete Wiesn-Absage hat ein Mann aus München auf seine Weise reagiert.

Corona-Krise in München: Lockerungen im Herbst? Düstere Prognose bis Weihnachten

Er glaube nicht, dass es bis dahin derartige Lockerungen geben könnte, dass Weihnachtsmärkte realisierbar sein könnten. Neben den finanziellen Strapazen schmerzt den 30-Jährigen jedoch eine Sache besonders. „Der Kontakt mit den Menschen, das Lachen der Kinder - das geht ab, fehlt einem furchtbar und tut unheimlich weh.“ Für das wirtschaftliche Überleben stehe man in engem Kontakt mit dem Schausteller-Verband, könne aber noch nicht absehen, wie weitere Hilfen konkret aussehen könnte. Um die Zeit erstmal zu überbrücken wird sich Thomä erstmal einen Mini-Job suchen: „Ob Regale auffüllen oder Sachen ausliefern, ist mir eigentlich egal, Hauptsache man verdient sich ein bisschen etwas dazu.“ Es wird wohl nicht die letzte Maßnahme sein, die Florian Thomä und viele Schausteller treffen werden müssen.

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