Staatsanwalt beendet Ermittlungen

O'klagt is! Jetzt wird's eng für Krätz

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Sepp Krätz soll Steuern hinterzogen haben

München - War's das für Sepp Krätz? Der Staatsanwalt hat seine Ermittlungen beendet und übergibt sie ans Landericht. Der Hippodrom-Wirt soll eine Million Euro Steuern hinterzogen haben. 

Als er am letzten Wiesn-Tag gegen 22.30 Uhr die Bayern-Hymne einspielen ließ und sich mit großem Brimborium von seinen Gästen im Hippodrom verabschiedete, hatte Sepp Krätz (59) sicher schon ein komisches Gefühl. War das sein Abschied für immer? Denn jetzt wird es ganz eng für den „Gastronomen des Jahres 2011“!

„Wir haben Anklage wegen Steuerhinterziehung gegen Sepp Krätz im Zusammenhang mit dem Betrieb der Gaststätte Andechser am Dom und des Hippodroms erhoben“, bestätigt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Nach tz-Informationen haben die Fahnder eine Steuerschuld von rund einer Million Euro zusammengetragen. In welcher Dimension sich die Vorwürfe abspielen, belegt allein die Anklageerhebung beim Landgericht. Ein minder schwerer Fall wäre zunächst beim Amtsgericht gelandet.

Drei Jahre dauerten die Ermittlungen, die im November 2010 durch eine anonyme Anzeige ausgelöst worden waren. Erstmals rückten die Beamten im Juli 2011 zur Razzia im Andechser am Dom an, weitere Durchsuchungen folgten – etwa in Krätz’ Privaträumen und bei einigen Geschäftspartnern. Eine Sisyphos-Arbeit für die Steuerfahnder: Denn sie mussten die tatsächlichen Umsätze – soweit es ging – durch die Einkäufe rekonstruieren, die Krätz bei seinen Lieferanten geordert hatte. Der Rest wurde geschätzt und zur Gesamtbesteuerungsgrundlage aufsummiert.

Jetzt liegt der Spielball bei der 4. Strafkammer des Landgerichts München I. Sie muss entscheiden, ob die Steuer-Anklage gegen Krätz zugelassen und damit das Hauptverfahren eröffnet wird. Allerdings ist die Vorsitzende Richterin Jutta Zeilinger nicht gerade dafür bekannt, dass sie ihre Verfahren im Expressmodus durchzieht. Aktuell verhandelt sie ihren bislang prominentesten Fall: Ex-Siemens-Manager Uriel Sharef wegen Untreue. Eine Entscheidung im Fall Krätz wird wohl erst im Frühjahr fallen – aber noch bevor die Stadt über die Zulassungen zur Wiesn 2014 berät (siehe Seite 5).

Sepp Krätz selbst ließ seine Zukunft am Freitag gegenüber der tz offen. „Ich weiß von nichts und will mich deshalb auch nicht zu dieser Angelegenheit äußern.“

Die Akte Krätz

Sepp Krätz und die Wiesn – die Liste seiner Verfehlungen ist lang:

1995: Seine Ordner halten Betrunkene mit Dobermännern und Feuerlöschern vom Zelt fern.

2000: Die erste Abmahnung! Er verteilt goldene „VIP-Bändchen“ und gibt auch eine Stunde nach Schankschluss noch Bier aus.

2006: Der nächste Rüffel: Auf der werbefreien Wiesn erlaubt er dem Partygirl Paris Hilton, in seinem Zelt Reklame für ihren Prosecco aus der Dose zu machen.

2010: Die Prügel-Affäre: Krätz soll einen Mitarbeiter im Hippodrom geschlagen haben. Anfangs schweigt er zu den Vorwürfen, akzeptiert schließlich im Mai 2011 aber einen gesalzenen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft über 18 000 Euro in 60 Tagessätzen und entgeht so einer Hauptverhandlung. Kurze Zeit später folgt die erste Steuer-Razzia ...

Was machte Einstein auf der Wiesn? Kuriose Fakten zum Oktoberfest

"Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit" - wer dieses Lied nicht beherrscht, hat in einem Wiesn-Zelt eigentlich nichts verloren. Der berühmte Trinkspruch stammt jedoch aus einer sächsischen Feder. Der Chemnitzer Musiker Bernhard Dittrich verfasste das Lied, nach dem anschließend ein kräfter Schluck aus der Mass genommen wird. © dpa
Wiesn historisch: Zu Beginn der Festivitäten im Jahre 1810 ist auf dem Oktoberfest kein Alkohol ausgeschenkt worden. Bier und Hochprozentiges mussten sich die Besucher außerhalb des Festgeländes besorgen. Die Veranstalter erkannten das Problem aber rasch und erlaubten den Alkoholgenuss schließlich. Erst dann etablierten sich die Bierzelte in ihrer heutigen Form. © dpa
Das Kunst Projekt "Les désastres de la bière" stellt die negativen Nebeneffekte der Wiesn dar: Wildbiesler, sich übergebende Menschen und sonstige Peinlichkeiten werden dort gezeigt. © dpa
Auf der Wiesn muss erstmal a gscheite Mass her. Und die ist richtig teuer geworden. Dieses Jahr liegt der Masspreis bei bis zu 10,70 Euro. © dpa
Die Lederhose ist für viele Männer ein Muss für ein Wiesn-Besuch. Das feine Leder für die bayerische Tracht kommt allerdings oft von Ziegen, die in Indien oder Pakistan grasten. Die Originale ist natürlich die Hirschlederne. Neuerdings gibt es auch vegane Tracht. © dpa
Das Online-Aktionshaus Ebay verdient sich mit der Wiesn ebenfalls eine goldene Nase. Insgesamt befinden sich 221.169 Artikel rund um das Oktoberfest (Stand 30.09.2016) im Angebot. © dpa
Hätten Sie es gewusst? Albert Einstein, Physik-Nobelpreisträger, verdiente einst sein Geld auf der Wiesn. Das Genie arbeitete 1896 als Hilfsarbeiter beim Aufbau des Schottenhamel-Festzeltes. Dort soll er elektrische Kabel verlegt haben. © dpa
Extra für die Wiesn stellt die Post eine eigene Geschäftsstelle an die Theresienwiese. Dort werden Souvenirs verkauft und Grüße direkt vom Festgelände in die weite Welt verschickt. Bis zu 130.000 Sendungen wurden im Jahr 2012 an Freunde und Familie gesendet. © dpa
Eine Mass oder acht Stamperl Schnaps? Das ist Geschmackssache. Vom Alkoholgehalt macht dies kaum Unterschiede, da das Wiesn-Bier stärker ist als Normales. 2016 hat das US-Konsulat Touristen sogar davor gewarnt.   © dpa
Während Millionen Touristen nach München fliegen und fahren, versuchen tausende einheimische Bürger dem Spektakel zu entfliehen. Hauptziele der Münchner: Städtetrips nach New York, Kopenhagen und - besonders beliebt - Bangkok. © dpa
Hoteliers freuen sich jedes Jahr erneut über die "fünfte Jahreszeit" in München. Die Preise für ein Zimmer verdoppeln sich schlagartig zum Wiesn-Beginn. © dpa

Sebastian Arbinger

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