Starke Frauen auf der Wiesn

Kufflers Weinzelt: Wie der Wein auf die Wiesn kam

+

München - Doris Kuffler erzählt, wie sie die Wiesn-Besucher in den Anfangsjahren überredet hat, ins Weinzelt zu gehen, wie das Zelt so erfolgreich wurde – und warum Wein traditionell zum Oktoberfest gehört.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Der beliebte Spruch könnte nicht besser auf Doris und Roland Kuffler (79) passen. Denn keineswegs spielt die gebürtige Heidelbergerin die Rolle als „Nur-Ehefrau“ an der Seite ihres Mannes.

Das beweist die Tatsache, dass sie in dem seit 50 Jahren bestehenden Familienunternehmen stets ein gewichtiges Wort mitzureden hat und in alles mit eingebunden ist. So natürlich auch im Weinzelt auf dem Oktoberfest. Sohn Stephan Kuffler (49) ist seit 2000 offiziell Wiesn-Wirt. Er führt das Zelt zusammen mit seinem Bruder Sebastian und den Eltern. Im Gespräch mit der tz erzählt uns Doris Kuffler, wie es mit dem Weinzelt begonnen hat und welche Aufgaben ihr auf der Wiesn am meisten Freude bereiten.

Kufflers Weinzelt: Zunächst blieb es oft leer

Als die Kufflers gemeinsam mit Erich Kaub, dem Bruder von Doris, und seiner Ehefrau Veronika 1984 ins Weinzelt auf der Theresienwiese einzogen, da standen sie häufig in einem fast leeren Zelt. Heute kaum vorstellbar, angesichts des Gedränges von Hunderten Gästen, die an der Tür um Einlass bitten. „Die ersten Jahre waren hart. Veronika und ich haben vor dem Zelt gestanden und versucht, Gäste zu akquirieren“, sagt Doris Kuffler. Die Münchner wollten lieber Bier statt Wein. Dabei hat es auf dem größten Volksfest der Welt auch schon immer Wein gegeben: Im 19. Jahrhundert stand sogar schon mal ein Weinzelt auf der Theresienwiese, die Pfälzer Weinbude. Es brannte allerdings 1887 völlig nieder.

Es war Doris Kuffler, die aus der Not eine Tugend, besser: ein salonfähiges Weinzelt machte. Sie holte in den Anfangsjahren Stammgäste aus dem Spatenhaus, darunter zahlreiche Prominente. Doch die gelernte PR-Fachfrau sorgte zusammen mit ihren Mitstreitern nicht nur für volles Haus im Zelt. Sie kümmert sich bis heute um die Gestaltung des Zeltes – wie etwa um die Dekoration. Statt der breiten Stoffbahnen ließ die kreative Gastronomin Kränze von der Zeltdecke hängen. Eine Idee ihres Mannes Roland. „Das macht das Zelt luftiger“, so Doris Kuffler. Bei der Farbwahl bleibt man sich treu: Es dominieren Rot und Grün.

Eine weitere Neuerung, die von Doris Kufflers Sohn Stephan stammt: Die Anzapf-Zeremonie, die 2006 ins Leben gerufen wurde. Beim Richtfest des neuen Zeltes im Jahr 2005 wurde den Kufflers ein überdimensionales Weinglas geschenkt. Das wird nun verwendet. Wenn um 12 Uhr mit den Böllerschüssen die Wiesn startet, stehen jedes Jahr abwechselnd Doris Kuffler oder ihre Schwiegertochter Stephanie mit Elmar Henke, dem Bürgermeister von Sommerach, und seiner Weinprinzessin auf der Bühne. Der Bürgermeister öffnet seine Flasche und schenkt der jeweiligen Kuffler-Dame das erste Glas ein. Wenn Doris Kuffler an der Reihe ist, begrüßt sie die Gäste und wünscht allen eine gute, friedliche und lustige Wiesn. „Mir persönlich gefällt es sehr gut, meine Gäste auf diese Weise persönlich begrüßen zu können.“ Doris Kufflers Engagement für das Weinzelt hat sich gelohnt: Es gehört mittlerweile zu den beliebtesten Zelten. auch weil es bis ein Uhr morgens geöffnet hat.

Klar, mittlerweile hat Doris Kuffler ihren Einsatz auf der Wiesn reduziert: „Ich denke, mit 76 Jahren darf man auch tatsächlich etwas kürzer treten.“ Doch wenn sie auf ihrem Lieblingsplatz im Zelt, in der Hausbox am mittleren Tisch, sitzt und ins Zelt schaut, da denkt Doris Kuffler oft an die Anfänge zurück. Und ihr geht das Herz auf, wenn sie so viele fröhlich feiernde Menschen sieht.

Die Wirtefamilie

Die Kufflers sind die Spitzenreiter unter den Münchner Gastronomen und führen über 30 Betriebe deutschlandweit - unter anderem das Spatenhaus an der Oper, das Seehaus im Englischen Garten, das Mangostin und das Kuffler im Palais an der Oper. 1984 hat Roland Kuffler das (79) das Weinzelt mit Frau Doris (76) übernommen. Sohn Stephan (49) ist seit 2000 offiziell Wiesnwirt. Sohn Sebastian (40) ist Betriebsleiter.

Kurzporträt: Kufflers Weinzelt

Bierpreis: 7,80 € Weißbier im 0,5-l-Glas (Ausschank bis 21 Uhr)

Brauerei: Paulaner Halbes Hendl mit Kartoffelgurkensalat und Kernöl 16,50 Euro.

Schmankerl: 2 Pfälzer Bratwürste aus der Hausmetzgerei Kuffler mit Pfälzer Fasskraut und Kartoffelpüree 14,50 Euro, Spare Ribs mit Thai-BBQ-Sauce und asiatischem Cole Slaw (21 Euro)

Günstiger essen: Von Montag bis Freitag (bis 16 Uhr) gibt es die Mittagswiesn mit Krustenwammerl mit frischem Kren, Kartoffelsalat mit Kernöl und 0,5 l Weißbier für 15,70 Euro oder warmer Zwetschgendatschi mit Schlagrahm und einem Haferl Kaffee für 7,70 Euro

Sitzplätze: 2000 innen, 580 im Weinzelt-Garten 

Raucher: große überdachte Loggia mit Zugang vom Zelt aus

Musik: Mittags ab 11 bzw. 12 Uhr: The Snoops, gefolgt von den Sumpfkröten. Um 17 Uhr ziehen die Blechblosn auf die Bühne, ab 21 Uhr die Högl Fun Band.

Neu: Die Weinzelt-Wirte Roland, Doris und Stephan haben sich ein neues Dach gegönnt. Nach elf Betriebsjahren musste die über 2000 Quadratmeter große Plane erneuert werden, sie leuchtet jetzt wieder in sattem, warmen Grün. Außerdem bereichern acht neue Weine das Angebot: von Silvaner vom Fürtslich Castell'schen Domänenamt über einen Chardonnay-Weißburgunder-Cuvée vom Weingut Knipser bis hin zu Château Brun AOC aus dem St. Emilion Bordeaux. Zudem wird eine Kuffler Edition Crémant de Loire Rosé Brut serviert.

Wiesn-Serie: Die Festzelte auf dem Oktoberfest

In unserer Serie begleiten wir die starken Frauen in den Wiesn-Zelten.

Oktoberfest: Der große Zelt-Vergleich

Die einen wollen es wild und laut, die anderen lieber traditionell und gemütlich. Welches Festzelt für Ihren Oktoberfest-Besuch das passende ist, erfahren Sie in unserem großen Vergleich. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen- Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften stattfinden. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Im Zelt der ältesten Münchner Brauerei feiern vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Pschorr-Traditionszelt Bräurosl ist nach der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr benannt. Auch dort geht es weitgehend urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn- Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den „GaySunday“. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Bei der Fischer Vroni feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. In diesem vergleichsweise kleinen Zelt gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch, Fisch am Stock. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Ziemlich jugendlich ist das Publikum im Hacker-Festzelt „Himmel der Bayern“. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen gilt es als eines der schönsten Zelte auf der Wiesn. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Es ist eins der größten und sicherlich das lauteste Zelt: Im Hofbräu-Festzelt treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon im Hofbräuhaus kennen und lieben gelernt haben. Hier wird getrunken, getanzt und gesungen. Aus dem Zelt dröhnt schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, Grölen über den Festplatz. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Nirgendwo geht es exklusiver zu als in Käfer's Wiesnschänke. Fußballstars vom FC Bayern, Verona Pooth und Ralph Siegel - die Promi-Dichte ist hoch. Im Käfer-Zelt gibt es neben Bier auch Wein und Champagner. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt „Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und „Zuagroaste“ gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. Hier heißt es: Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Wo jahrzehntelang Promis im Hippodrom feierten, steht nun der Marstall. Vieles ähnelt im Marstall allerdings dem Vorgänger: Champagnerbar, Tischdecken und erlesene Speisekarte - vom Tartar vom Wagyu-Ochsen über Hendl und Backerl vom Milchkalb bis zum veganen Holzfäller-Tofu-Pflanzerl. Ob sich davon auch wieder Promis von Beckenbauer bis Heino anziehen lassen, muss sich erst noch zeigen. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
In der Ochsenbraterei geht es zünftig zu. Seinen Namen hat das Zelt von dem großen Ochsen am Spieß, der nicht nur Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts ist. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zur Jubiläums-Wiesn 2010 leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Im Schottenhamel wird das größte Volksfest der Welt traditionell eröffnet. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stach dort alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an, in diesem Jahr ist zum ersten Mal sein OB-Nachfolger Dieter Reiter (SPD) dran. In den Tagen nach dem Anstich strömen überwiegend junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Im Weinzelt liegt der Fokus - wie der Name schon sagt - nicht auf dem Bier. Dort gibt es kein Helles in Maßkrügen, sondern nur Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. „Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln“, wirbt die Homepage. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zünftige Blasmusik und Alt-Münchner Schmankerl: Hier kommen traditionsbewusste Gäste auf ihre Kosten, denen Landhaus-Mode und Mini-Dirndl ein Gräuel sind. Trachtler, Schuhplattler und Goaßlschnalzer sorgen für „griabige“ (gemütlich-kernige) Stimmung. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zum 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes 2010 wurde das Herzkasperl-Festzelt in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat ins Leben gerufen. Hier gibt es eine Mischung aus Bayerischer Lebensart, Musik, Kabarett, Theater und Literatur. © Westermann

Lesen Sie auch:

Trainer macht Heiratsantrag auf der Wiesn - die ganze Mannschaft feiert mit

Trainer macht Heiratsantrag auf der Wiesn - die ganze Mannschaft feiert mit

Oktoberfest 2018: So viele Tonnen Müll hinterlässt die Wiesn München

Oktoberfest 2018: So viele Tonnen Müll hinterlässt die Wiesn München

Oktoberfest 2018: 6,3 Millionen Besucher und weniger Straftaten als noch im Vorjahr

Oktoberfest 2018: 6,3 Millionen Besucher und weniger Straftaten als noch im Vorjahr

Oktoberfest im Ticker: So schön war das große Wiesn-Finale - Videos

Oktoberfest im Ticker: So schön war das große Wiesn-Finale - Videos

Kommentare