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Wird die Wiesn zum Superspreader-Event? Virologe will dringend etwas klarstellen

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Von: Momir Takac

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Der Virologe Alexander Kekulé
Der Virologe Alexander Kekulé © Eventpress Stauffenberg/Imago

Experten waren sich vor dem Oktoberfest sicher: Die Wiesn wird zu einer Explosion der Corona-Infektionszahlen führen. Das sieht der Virologe Alexander Kekulé anders.

München - Das Oktoberfest auf der Theresienwiese ist in vollem Gange. Nach zwei Jahren Pause zieht es wieder Menschen aus aller Welt nach München, um auf dem bekanntesten Volksfest der Welt zu feiern.

Und das tun sie auch. Die Stimmung in den Bierzelten der Wiesn ist prächtig, auch wenn die Bilanz vom ersten Wochenende eher durchwachsen ausfiel. Dass die Bierzelte voll sind, war zu erwarten. Angenommen wird zudem, dass die Infektionen mit dem Coronavirus während und nach der Wiesn in und um München hochschnellen werden.

Oktoberfest wird laut Kekulé keinen Gesundheitsnotstand verursachen

Noch kann man dazu keine Aussage treffen, doch Virologen warnten eindringlich im Vorfeld des Oktoberfests. Oliver Keppler, Virologe der LMU München, sprach etwa von einem „synchronisierten Superspreading mit weltweiter Sichtbarkeit.“ Andere Experten wie der Pandemie-Beauftragte des Universitätsklinikums Rechts der Isar der TU München, Christoph Spinner, sehen dem Oktoberfest hingegen gelassen entgegen.

So auch der nicht unumstrittene Virologe Alexander Kekulé. Er schreibt in seiner Kolumne bei Focus online: „Die Wiesn wird weder eine Explosion der Fallzahlen noch einen Gesundheitsnotstand verursachen.“ Kekulé begründet seine Aussage damit, dass inzwischen mehr als 90 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft wurde oder eine vorangegangene Infektion überstanden hat. Regionale Infektionswellen habe man zu Beginn der Corona-Pandemie beobachten können, als der Großteil der Menschen noch „immunologisch naiv“ war.

Kekulé: „Wiesn wird kein ‚Superspreading-Event‘“

Kekulé rechnet zwar auch mit sehr vielen infizierten Menschen infolge des Oktoberfestes, nicht aber mit einer „anhaltenden Weiterverbreitung in der sonstigen Bevölkerung“. Der Virologe verweist auf Zahlen nach kleineren Volksfesten in den vergangenen Monaten, wie etwa der Freisinger Wiesn, wo es in der Region nur vorübergehend einen starken Anstieg der Fallzahlen gab.

Kekulé widerspricht in seiner Focus-online-Kolumne auch seinem Kollegen Keppler, der die Wahrscheinlichkeit, bei einem mehrstündigen Bierzelt-Aufenthalt mit dem Coronavirus in Kontakt zu kommen, auf einer Skala von 1 bis 10, bei „9 bis 10“ verortet. Kekulé zieht eine Stichprobe des Robert-Koch-Instituts heran, die bereits während des Oktoberfestes gemacht wurde.

Demnach seien nur zwei von 100 zufällig ausgewählten Wiesn-Besuchern PCR-positiv auf Corona gewesen. Da jedoch nicht jeder PCR-Positive infektiös sei und nicht jeder Infektiösen auch sicher einen andere Besucher anstecken würde, sieht Kekulé wenig Gefahr. Der Virologe schlussfolgert daraus, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts mit Sars-CoV-2 eher bei 1 zu 1000 liegt. Das Ansteckungsrisiko im Freien sei nicht höher als anderswo in München.

Kekulé befürchtet Engpässe in Münchner Notaufnahmen

Das Oktoberfest werde auch kein „Superspreading-Event“ werden, prophezeit Kekulé. Superspreader habe es zu Beginn der Corona-Pandemie gegeben, als Menschen viel mehr Personen ansteckten, als es für das Coronavirus typisch war. Das habe daran gelegen, dass damals die meisten Menschen auf der Welt weder geimpft noch genesen gewesen seien.

Dies sei beim Oktoberfest nicht zu erwarten. Es sei „kaum vorstellbar, dass ein Virusausscheider Kontakt mit einer für Superspreading ausreichenden Zahl immunologisch ungeschützter Personen hat“, schreibt Kekulé. Auch „Millionen von Infektionen“ werde es nicht geben. Ebenso sei die Einschleppung einer „Super-Mutante“ aus dem Ausland „sehr unwahrscheinlich“. Dafür gebe es auf keinem Kontinent Hinweise.

Sorgen bereiten dem Virologen lediglich mögliche Engpässe in den Notaufnahmen der Krankenhäuser in München. Eine Überlastung drohe durch vermehrte Unfälle, Bierleichen, mehr Corona-Infizierte sowie Personalausfälle, die durch die „Wiesn-Grippe“ hervorgerufen werden. (mt)

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