Razzia bei Wiesn-Wirt Sepp Krätz

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Sepp Krätz

München - Erst Prügelvorwürfe, dann ein Strafbefehl wegen Körperverletzung und nun eine Steuer-Razzia: Für Münchens Top-Gastronom Sepp Krätz (56) wird es immer enger.

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte am Montag sein Lokal Andechser am Dom. Noch sind die Ermittlungen in einem frühen Stadium. Doch sollte Krätz sich wieder etwas zu Schulden kommen lassen haben, hätte er nicht nur straf- oder steuerrechtliche Konsequenzen zu fürchten: Er könnte auch seine Konzessionen für den Andechser am Dom, für die Waldwirtschaft in Großhesselohe und vor allem für das Hippodrom auf der Wiesn verlieren.

Die Könige der Wiesn

Festzelte Wirte Oktoberfest
Fischer Vroni: Hans Stadtmüller und Schwester Silvia zieht es nicht auf den roten Teppich, Wirt Hans dreht lieber auch mal selbst an den Steckerln seiner berühmten Fische. Er ist vor sieben Jahren in die Fußstapfen der legendären „Fischer- Vronis“, seiner Mutter Eva und deren Schwester Anita Schmid, getreten, die gestorben waren. Im Zelt finden 2800 Gäste Platz. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Winzerer Fähndl: Peter Pongratz mit Ehefrau Arabella: Seit 2010 ist Pongratz nicht nur Chef des größten Wiesn-Zeltes mit 8450 Sitzplätzen innen und 2450 im Garten, sondern auch Besitzer eines nagelneuen Zeltes mit technisch hochmodernem zentralen Bierzapfsystem. Der Wirt vom „Paulaner am Nockherberg“ hat das Winzerer Fähndl im Jahr 2003 übernommen. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Bräurosl: Der Vater von Georg Heide, der berühmte Willy Heide, hat das familienfreundliche Zelt mit seinen 6200 Plätzen 2001 an den Sohn übergeben. Dieser leitet es mit vergleichsweise großer Gelassenheit – weil er einfach ein solcher Typ ist, und weil ihm Frau Renate und Tochter Daniela zur Seite stehen. Den Rest des Jahres führt er die „Heide Vollm" in Planegg. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Augustinerzelt: Thomas Vollmer passt perfekt zu seinem bodenständigen und traditionellen Zelt (5600 Plätze). Er ist ruhiger als viele Kollegen und scheut den großen Medienrummel. Auch in der Hausbox ist er seltener anzutreffen. Im normalen Leben arbeitet er in der berühmten „Augustiner Bräustuben“ in der Fußgängerzone. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hippodrom: Bei Sepp und Tina Krätz feiern die Reichen und Schönen. Und der Wirt ist Kult auf der Wiesn, genauso wie sein Zirkuszelt: Sepp Krätz, der Gastronom des Jahres, hat das Hippodrom zu einer Top-Adresse auf der Wiesn gemacht. Motto: klein und fein. Bei den 3000 Gästen kommt schon auch einmal Champagner in die Krüge. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schottenhamel: Christian, Peter und Michael Schottenhamel: In keinem Büro geht’s lustiger zu als bei der Männerbande der Schottenhamels. Peter und Christian sind nicht, wie oft vermutet, Vater und Sohn, sondern Cousins und veräppeln sich gerne gegenseitig. Mittlerweile ist auch Peters Halbbruder Michael im Boot. In ihrem Zelt (6000 Plätze) zapft der OB an. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hofbräu Friedrich und Günter Steinberg haben Platz für 6800 Gäste. Kürzlich haben Günter und seine Frau Margot ein ehrliches Buch über Familienglück und Ehekrisen herausgebracht. Der Titel: „Maßvoll – ein Leben mit Bibel und Bier“. Die gläubige Familie ist in ihrem Zelt und auch in ihrem Hofbräukeller auf Harmonie bedacht. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Löwenbräu: Wiggerl Hagn (r.), Tochter Stephanie Spendler (l.) und Ehemann Michael sind die Chefs im Löwenbräu: Hagn ist ein echtes Münchner Wiesn-Kindl. Seine Eltern haben das Schützen- Festzelt aufgebaut. Logisch, dass auch er Wirt wurde: Seit 1979 gehört ihm das Löwenbräu-Zelt (6000 Plätze). Markantes Wahrzeichen: der 4,5 Meter große, brüllende Löwe. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Käfer Wiesn-Schänke: Michael Käfer mit Ehefrau Clarissa (41) bieten 1164 Gästen Platz. Er ist der prominenteste Wirt auf der Wiesn, nicht zuletzt wegen seines Vaters, dem Feinkost-Mogul Gerd. In seiner kleinen Almhütte ist alles anders: Michael Käfer (52) empfängt tagtäglich dutzende Prominente und muss sich eher um Details kümmern als um große Logistik. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Ochsenbraterei: Nach dem Tod von Wirte-Legende Hermann Haberl im Februar 2011 betreiben seine Frau Anneliese und Tochter Antje Schneider allein die Ochsenbraterei (6000 Plätze). Der Ochs am Spieß ist eines der besten Essen auf der Wiesn. Die Haberls sind seit 1980 auf dem Oktoberfest und zählen zu den Urgesteinen. Bei ihnen fühlen sich vor allem Familien wohl. Die Ochsenbraterei ist auch das perfekte Ambiente für eine gemütliche Firmenfeier. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Kufflers Weinzelt: „Wie verrückt muss man eigentlich sein, auf dem größten Bierzelt der Welt Wein zu verkaufen?“, erinnert sich Stephan Kuffler an die Zeit, als seine Eltern Roland und Doris das Zelt übernahmen. Das war 1984 – und das Konzept ging auf, das Weinzelt ist heute Kult. Hier feiern 2500 Wiesn-Nachtschwärmer bis 1 Uhr! Hoher Flirt- und Promifaktor zu später Stunde. © Kruse
Festzelte Wirte Oktoberfest
Armbrustschützen: Peter Inselkammer und seiner Familie gehört das halbe Münchner Platzl im Herzen der Stadt mit Hotel, Restaurant und Immobilien. Das Armbrustschützen- Zelt mit 5380 Plätzen führt Peters Familie schon seit 20 Jahren erfolgreich. Zu Kopf gestiegen ist ihnen dies alles nicht. Peter Inselkammers Frau Katharina entwirft nebenbei Wiesn-Schmuck. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hackerzelt: In Toni Roiderers Hackerzelt, dem „Himmel der Bayern“, kocht die Stimmung schon ab der ersten Mass. Die Leute stehen gleich nach Einlass auf den Tischen. Der kultige Wirte- Sprecher Toni Roiderer hat mit seiner Frau Christl und den Söhnen Markus und Thomas das 7000-Mann-Zelt zu einem der beliebtesten auf der Wiesn gemacht. Einlass ohne Reservierung: so gut wie unmöglich! © Haag
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schützen-Festzelt Edi Reinbold ist schon seit 30 Jahren auf der Wiesn. Sein Schützen-Festzelt liegt direkt zu Füßen der Bavaria. 4800 Gäste können hier in für Wiesn-Verhältnisse gediegen-gemütlichen Ambiente feiern. Das Essen, insbesondere das Spanferkel, ist hier ausgezeichnet. Mittlerweile ist auch Reinbolds Sohn Ludwig im Geschäft. © Jantz

Als die Ermittler am Montag die Räumlichkeiten des Andechser am Dom durchsucht haben, gingen sie sehr diskret vor. Die Öffentlichkeit sollte nicht auf die Aktivität aufmerksam werden. Laut Süddeutsche Zeitung geht es offenbar um „nicht korrekte Abrechnungen“. Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch bestätigt der tz, dass gegen Krätz ein Verfahren laufe. Es gehe um „steuerrechtliche Tatbestände“. Details könne er jedoch nicht nennen.

Die Vorwürfe sollen die Justiz im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Prügelvorwürfe des „Gastronomen des Jahres 2011“ erreicht haben. Krätz akzeptierte im Mai einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft von zusammen 18 000 Euro in 60 Tagessätzen, weil er auf der Wiesn 2010 einen Putzmann im Hippodrom getreten haben soll. Der Hippodrom-Wirt hatte die Vorwürfe bestritten und gegen den Strafbefehl Widerspruch eingelegt, diesen aber kurz vor der Gerichtsverhandlung zurückgezogen. Dem Opfer zahlte er Schmerzensgeld.

Aber auch Bedienungen beschwerten sich nach der Wiesn 2010 öffentlich über Beleidungen, Tritte und Schläge. OB Christian Ude und Wirtschafsreferent Dieter Reiter (SPD) mahnten den Wirt daraufhin ab. Die Zulassung für die Wiesn 2011 bekam Krätz im April auch nur unter der Bedingung, dass nachträglich keine „erheblichen gewerbebezogenen Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten festgestellt“ werden.

Ob Krätz jetzt tatsächlich über die Steuer-Vorwürfe stolpert, ist unklar. Bürgermeisterin Christine Strobl warnte am Dienstag gegenüber der tz vor einer „Vorverurteilung“. Bevor die Stadt Konsequenzen ziehe, müsse das Ergebnis der Ermittlungen abgewartet werden. Krätz selbst war für die tz am Dienstag nicht erreichbar. Doch es wird eng für den Wiesn-Wirt!

We/ebu/bw

Drei Wirte flogen von der Wiesn:

Die Stadt hat in der jüngeren Vergangenheit insgesamt drei Wiesn-Wirten die Konzession entzogen:

1984: Während der Wiesn muss Richard Süßmeier die Leitung des Armbrustschützenzeltes abgeben. Grund: Bei einer von KVR-Referent Peter Gauweiler angeordneten Kontrolle entdeckt die Gewerbeaufsicht 23 illegal Beschäftigte. In den laufenden Wiesn-Betrieb steigt Helmut Huber als Wirt ein.

1990: Huber verliert wegen Hygienemängel die Konzession für den Salvatorkeller im Nockherberg und damit auch die Zulassung für die Wiesn.

1994: Das Ehepaar Weinfurtner wird wegen Steuerhinterziehung verhaftet und darf ab sofort auch nicht mehr die Geschäfte im Hippodrom führen. Nachfolger wird 1995 Sepp Krätz, der jetzt selbst ins Fadenkreuz der Steuerfahnder geraten ist …

Die Akte Krätz

Immer wieder Ärger mit Sepp Krätz: Der Gastronom ist schon mehrmals mit den Wiesn-Bossen aneinander geraten:

1995: Bereits in Krätz’ erstem Wiesn-Jahr hielten seine Ordner Betrunkene mit Feuerlöschern und Dobermann-Kampfhunden davon ab, gegen 23 Uhr das Zelt zu stürmen, das bis dato bis 1 Uhr nachts geöffnet hatte. Im Jahr darauf tauschte Krätz die Nachtkonzession gegen einen größeren Biergarten vor dem Zelt.

2000: Krätz sorgte mit goldenen „VIP-Bändchen“ für Unmut bei der Stadt – und hatte scheinbar vergessen, dass er um 23 Uhr zusperren muss: Eine Stunde nach Schankschluss schenkte er noch Bier aus – Abmahnung!

2006: Krätz kassierte wieder einen Rüffel, als er Paris Hilton für einen Werbeauftritt ins Hippodrom holen wollte (das Society-Girl wollte Prosecco in der Dose groß rausbringen). Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl sorgte dafür, dass Paris Hilton die Dose zu ließ.

2010: Der bisherige unrühmliche Höhepunkt: Die Prügel-Affäre gegen das eigene Personal – Krätz bestritt die Vorwürfe, zahlte aber 18 000 Euro Strafe.

tz

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