Prügel-Vorwürfe: Abmahnung für Krätz

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Sepp Krätz wurde offiziell von der Stadt abgemahnt, nachdem er sein Personal beleidigt und tätlich angegriffen hatte

München - Nach den Prügelvorwürfen gegen Wiesn-Wirt Sepp Krätz, hat die Stadt München den Hippodrom-Chef nun ermahnt. Sollten sich derartige Szenen wiederholen, könnte es für ihn das Aus als Festwirt bedeuten.

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Jetzt ist es offiziell: Wirtschaftsreferent Dieter Reiter hat Wiesn-Wirt Sepp Krätz (56) nach den Prügelvorwürfen gegen die eigene Belegschaft am Mittwoch scharf ermahnt und mit einem Rauswurf von der Wiesn gedroht, „sollte es erneut zu Vorkommnissen kommen“.

Im Klartext: Sepp Krätz darf nach dem alljährlichen Bewerbungsverfahren aller Voraussicht nach 2011 zwar wieder auf die Wiesn – er wird allerdings unter verschärfter Beobachtung stehen. Damit ist Krätz, der sich erst vor Kurzem mit Glanz und Glamour als „Gastronom des Jahres 2011“ feiern ließ, im Jahr seiner Auszeichnung ein Wiesn-Wirt auf Bewährung.

Die Stadt war vergangene Woche nach Presseberichten auf den Vorfall aufmerksam geworden, der sich am letzten Wiesn-Abend im Hippodrom zugetragen hat – und den Krätz nach anfänglichem Leugnen in einer Erklärung an die Stadt nun doch zugegeben hat: Krätz hatte Mitarbeiter beleidigt und tätlich angegriffen, weil diese zum Abschied auf die Bühne gestiegen waren – so war es Tradition im Hippodrom.

Die Könige der Wiesn

Festzelte Wirte Oktoberfest
Fischer Vroni: Hans Stadtmüller und Schwester Silvia zieht es nicht auf den roten Teppich, Wirt Hans dreht lieber auch mal selbst an den Steckerln seiner berühmten Fische. Er ist vor sieben Jahren in die Fußstapfen der legendären „Fischer- Vronis“, seiner Mutter Eva und deren Schwester Anita Schmid, getreten, die gestorben waren. Im Zelt finden 2800 Gäste Platz. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Winzerer Fähndl: Peter Pongratz mit Ehefrau Arabella: Seit 2010 ist Pongratz nicht nur Chef des größten Wiesn-Zeltes mit 8450 Sitzplätzen innen und 2450 im Garten, sondern auch Besitzer eines nagelneuen Zeltes mit technisch hochmodernem zentralen Bierzapfsystem. Der Wirt vom „Paulaner am Nockherberg“ hat das Winzerer Fähndl im Jahr 2003 übernommen. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Bräurosl: Der Vater von Georg Heide, der berühmte Willy Heide, hat das familienfreundliche Zelt mit seinen 6200 Plätzen 2001 an den Sohn übergeben. Dieser leitet es mit vergleichsweise großer Gelassenheit – weil er einfach ein solcher Typ ist, und weil ihm Frau Renate und Tochter Daniela zur Seite stehen. Den Rest des Jahres führt er die „Heide Vollm" in Planegg. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Augustinerzelt: Thomas Vollmer passt perfekt zu seinem bodenständigen und traditionellen Zelt (5600 Plätze). Er ist ruhiger als viele Kollegen und scheut den großen Medienrummel. Auch in der Hausbox ist er seltener anzutreffen. Im normalen Leben arbeitet er in der berühmten „Augustiner Bräustuben“ in der Fußgängerzone. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hippodrom: Bei Sepp und Tina Krätz feiern die Reichen und Schönen. Und der Wirt ist Kult auf der Wiesn, genauso wie sein Zirkuszelt: Sepp Krätz, der Gastronom des Jahres, hat das Hippodrom zu einer Top-Adresse auf der Wiesn gemacht. Motto: klein und fein. Bei den 3000 Gästen kommt schon auch einmal Champagner in die Krüge. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schottenhamel: Christian, Peter und Michael Schottenhamel: In keinem Büro geht’s lustiger zu als bei der Männerbande der Schottenhamels. Peter und Christian sind nicht, wie oft vermutet, Vater und Sohn, sondern Cousins und veräppeln sich gerne gegenseitig. Mittlerweile ist auch Peters Halbbruder Michael im Boot. In ihrem Zelt (6000 Plätze) zapft der OB an. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hofbräu Friedrich und Günter Steinberg haben Platz für 6800 Gäste. Kürzlich haben Günter und seine Frau Margot ein ehrliches Buch über Familienglück und Ehekrisen herausgebracht. Der Titel: „Maßvoll – ein Leben mit Bibel und Bier“. Die gläubige Familie ist in ihrem Zelt und auch in ihrem Hofbräukeller auf Harmonie bedacht. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Löwenbräu: Wiggerl Hagn (r.), Tochter Stephanie Spendler (l.) und Ehemann Michael sind die Chefs im Löwenbräu: Hagn ist ein echtes Münchner Wiesn-Kindl. Seine Eltern haben das Schützen- Festzelt aufgebaut. Logisch, dass auch er Wirt wurde: Seit 1979 gehört ihm das Löwenbräu-Zelt (6000 Plätze). Markantes Wahrzeichen: der 4,5 Meter große, brüllende Löwe. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Käfer Wiesn-Schänke: Michael Käfer mit Ehefrau Clarissa (41) bieten 1164 Gästen Platz. Er ist der prominenteste Wirt auf der Wiesn, nicht zuletzt wegen seines Vaters, dem Feinkost-Mogul Gerd. In seiner kleinen Almhütte ist alles anders: Michael Käfer (52) empfängt tagtäglich dutzende Prominente und muss sich eher um Details kümmern als um große Logistik. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Ochsenbraterei: Nach dem Tod von Wirte-Legende Hermann Haberl im Februar 2011 betreiben seine Frau Anneliese und Tochter Antje Schneider allein die Ochsenbraterei (6000 Plätze). Der Ochs am Spieß ist eines der besten Essen auf der Wiesn. Die Haberls sind seit 1980 auf dem Oktoberfest und zählen zu den Urgesteinen. Bei ihnen fühlen sich vor allem Familien wohl. Die Ochsenbraterei ist auch das perfekte Ambiente für eine gemütliche Firmenfeier. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Kufflers Weinzelt: „Wie verrückt muss man eigentlich sein, auf dem größten Bierzelt der Welt Wein zu verkaufen?“, erinnert sich Stephan Kuffler an die Zeit, als seine Eltern Roland und Doris das Zelt übernahmen. Das war 1984 – und das Konzept ging auf, das Weinzelt ist heute Kult. Hier feiern 2500 Wiesn-Nachtschwärmer bis 1 Uhr! Hoher Flirt- und Promifaktor zu später Stunde. © Kruse
Festzelte Wirte Oktoberfest
Armbrustschützen: Peter Inselkammer und seiner Familie gehört das halbe Münchner Platzl im Herzen der Stadt mit Hotel, Restaurant und Immobilien. Das Armbrustschützen- Zelt mit 5380 Plätzen führt Peters Familie schon seit 20 Jahren erfolgreich. Zu Kopf gestiegen ist ihnen dies alles nicht. Peter Inselkammers Frau Katharina entwirft nebenbei Wiesn-Schmuck. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hackerzelt: In Toni Roiderers Hackerzelt, dem „Himmel der Bayern“, kocht die Stimmung schon ab der ersten Mass. Die Leute stehen gleich nach Einlass auf den Tischen. Der kultige Wirte- Sprecher Toni Roiderer hat mit seiner Frau Christl und den Söhnen Markus und Thomas das 7000-Mann-Zelt zu einem der beliebtesten auf der Wiesn gemacht. Einlass ohne Reservierung: so gut wie unmöglich! © Haag
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schützen-Festzelt Edi Reinbold ist schon seit 30 Jahren auf der Wiesn. Sein Schützen-Festzelt liegt direkt zu Füßen der Bavaria. 4800 Gäste können hier in für Wiesn-Verhältnisse gediegen-gemütlichen Ambiente feiern. Das Essen, insbesondere das Spanferkel, ist hier ausgezeichnet. Mittlerweile ist auch Reinbolds Sohn Ludwig im Geschäft. © Jantz

Doch heuer wollte der Wirt die Bühne nicht teilen und verscheuchte Mitarbeiter unter groben Beschimpfungen, Tritten in den Hintern und Faustschlägen auf den Hinterkopf. Einen Kellner hat er laut Belegschaft an den Ohren gezogen und die Treppe hinuntergeschubst.

Krätz entschuldigt sich bei der Stadt

In seiner schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Stadt bedauert Krätz nun sein Verhalten und versichert, „zukünftig keinen Anlass zu ähnlichen Beschwerden mehr geben zu wollen“, wie das Wirtschaftsreferat mitteilt. „Herr Krätz hat sich bei uns entschuldigt und wir gehen davon aus, dass er dies auch bei seinem Personal tun wird“, sagte Referatssprecher Wolfgang Nickl auf tz-Anfrage. Wirtschaftsreferent Reiter findet gegenüber dem unbeherrschten Wirt weniger versöhnliche Töne: „Körperliche Übergriffe jeglicher Art, insbesondere auch gegenüber Ihrem Personal sind inakzeptabel.“

Auch OB Ude ist entsetzt. Anfang der Woche sagte er der tz: „Das sind ja ganz neue Zukunftsaussichten. Da heißt es nicht nur beim Schichtl: ‚Heute wieder Hinrichtung‘, sondern vor dem Bierzelt ‚Heute wieder Wirtshausschlägerei – wir verprügeln nur die eigenen Leute!“‘

Publik geworden war der Eklat, weil einige geschockte Mitarbeiter sich an die Presse gewandt hatten, auch Sascha Schneider (35), Hippodrom-Kellner und angehender Lehrer: „Sepp Krätz hat inzwischen ein Mitarbeiterfest versprochen“, erzählte er am Mittwoch der tz. Krätz selbst wollte sich gegenüber der tz nicht äußern.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Wiesn-Wirt abgemahnt wird: Bereits in Krätz’ erstem Wiesn-Jahr 1995 hielten seine Ordner betrunkene Gäste mit Feuerlöschern und Dobermännern (!) davon ab, das Zelt zu stürmen. Im Jahr darauf verlor er die Nachtkonzession, die das Hippodrom bis dato hatte. 2000 sorgte Krätz mit goldenen „VIP-Bändchen“ für Unmut bei der Stadt – und hatte zwischenzeitlich scheinbar vergessen, dass er keine Nachtkonzession mehr hat: Eine Stunde nach Schankschluss schenkte er noch Bier an einige Gäste aus – Abmahnung! Zuletzt kassierte Krätz 2006 einen Rüffel, als er Paris Hilton für einen Werbe-Auftritt ins Hippodrom holen wollte (das It-Girl wollte Prosecco in der Dose groß rausbringen). Wiesn-Chefin Gabi Weishäupl sorgte dafür, dass Hilton die Dose zu ließ.

Zulassung als Festwirt in Gefahr

Nach den jüngsten Prügelvorwürfen klingt die abermalige Ermahnung der Stadt nun bereits wie eine Drohung. Reiter: „Sollte es erneut zu Verstößen kommen, müsste ich dem Stadtrat leider vorschlagen, Sie künftig nicht mehr als Festwirt auf dem Oktoberfest zuzulassen.“

Simone Herzner

Bisher mussten drei Wiesn-Wirte ihre Zelte dicht machen

Die Stadt hat in der jüngeren Vergangenheit insgesamt drei Wiesn-Wirten die Konzession entzogen.

1984: Während der Wiesn muss Richard Süßmeier die Leitung des Armbrustschützenzeltes abgeben. Grund: Bei einer Kontrolle entdeckt die Gewerbeaufsicht 23 illegal Beschäftigte. Im Vorfeld hatte sich der Wirtesprecher über den damaligen KVR-Referenten Peter Gauweiler lustig gemacht. Viele sehen einen Zusammenhang zwischen Parodie und Kontrolle – was Gauweiler bestreitet. In den laufenden Wiesn-Betrieb steigt Helmut Huber als Wirt ein.

1990: Helmut Huber verliert wegen Hygienemängel die Konzession für den Salvatorkeller im Nockherberg und damit auch die Zulassung für die Wiesn.

1994: Das Ehepaar Weinfurtner wird wegen Steuerhinterziehung verhaftet und darf ab sofort auch nicht mehr die Geschäfte im Hippodrom führen.

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