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Das miese Geschäft am Rand der Wiesn: Oktoberfest-Sonderpreise für Bier – Supermarkt liefert Begründung

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Von: Andrea Stinglwagner

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Edeka-Kassenbon von Münchner Tilman Schaich
Der Edeka-Kassenbon von Münchner Tilman Schaich weist eine Kiste Bier für 60 Euro auf. © Privat

Viele Händler abseits der Theresienwiese nutzen das Oktoberfest, um die Preise für Bier zu erhöhen. Das sorgt nun für Ärger bei einem Münchner.

München - Klar, das Bier auf der Wiesn ist teuer – das weiß jeder. Neuerdings aber müssen Bierkäufer auch schon im Supermarkt Oktoberfest-Sonderpreise zahlen: 2,92 Euro für eine Flasche Helles – so viel verlangt der Edeka nahe der Theresienwiese seit kurzem. Abzocke, schimpfen die Kunden! Gibt‘s denn keine Bierpreis-Bremse?

Oktoberfest: Edeka in der Schwanthalerstraße treibt Bier-Preise in die Höhe

Der Münchner Tilman Schaich, bekannt durch die Miet-Bürgerinitiative „ausspekuliert“, ärgert sich: „Der E-Center in der Schwanthalerstraße nimmt anscheinend die Wiesn zum Anlass, ohne Rücksicht auf Anwohner und Stammkunden kräftig Kasse zu machen.“ Von einem Tag auf den anderen sei der Flaschenbierpreis auf 2,92 Euro angehoben worden. Ein Tragerl hätte mit Pfand 60 Euro gekostet – drei Euro pro Flasche!

Schaich habe, als der „den Wucher“ realisiert habe, den Verantwortlichen des Marktes zur Rede gestellt. Der sagte schlicht, der Grund dafür sei das Oktoberfest. Schaich beschwerte sich: Ein Supermarkt habe doch die Versorgung der Anwohnerschaft zu gewährleisten. Zurück kam die Antwort, man könne sich ja in der Zentrale beschweren… Tilman Schaich erzählt, er habe den Kasten Bier zurückgegeben. Er ist stinksauer: „In Krisenzeiten, wo jeder den Gürtel enger schnallen muss, wirft das kein gutes Licht auf die Geschäftsführung.“ Es wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn der Supermarkt oben an der Straße, wo die Fußgänger zum Oktoberfest strömen, einen Kiosk mit teurem Bier betreiben würde. „Aber im normalen Supermarkt im Untergeschoss ist das allerhand.“

Tilman Schaich
Ärgert sich über die hohen Bier-Preise im Supermarkt während der Wiesn: Tilman Schaich. © Markus Götzfried

Edeka begründet Preise mit Sicherheits- und Personalaufwand während der Wiesn

Unsere Redaktion hat nachgeforscht: Tatsächlich kosten die Einzelflaschen Augustiner Hell oder Edelstoff, Paulaner Hell, Spaten oder Franziskaner bei Edeka im Forum Schwanthalerhöhe 2,92 Euro, mit Pfand drei Euro. Das Tragerl Paulaner Münchner Hell kostet „nur“ 40 Euro. Und es gibt dort auch günstigere Kästen – 20 Flaschen Paulaner Oktoberfestbier etwa für 17,99 Euro. Die Pressestelle der Edeka-Unternehmenskommunikation begründet die hohen Einzelflaschen-Preise mit erhöhtem Sicherheits- und Personalaufwand während der Wiesn.

Bleibt die Frage: Darf der Markt die den Preis überhaupt so hinaufschrauben? Ja, sagt Sonja Neumeier, Referentin Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern in München. „Grundsätzlich dürfen Supermärkte ihre Preise frei festlegen. In der Regel geschieht das nach Abwägung von Angebot und Nachfrage.“ Wucher liege aus juristischer Sicht hier nicht vor: „Zwar übersteigt der in der entsprechenden Edeka-Filiale verlangte Preis wohl in einigen Fällen den marktüblichen Preis um mehr als das Doppelte, aber eine Notsituation wird beim Bierpreis nicht ausgenutzt. Auf das Bier aus der Edeka-Filiale ist niemand angewiesen. Das ist für Wucher aber erforderlich.“ Eine „Bierpreisbremse“ gebe es somit nicht.

Nicht nur im Edeka wird das Bier zur Wiesn-Zeit teurer

Auf den Goldesel Wiesn setzen viele Händler – wie auch der Imbisskiosk am Hauptbahnhof, der für die Flasche Augustiner vier Euro verlangt, oder der Laden an der Bayerstraße, der 3,50 Euro nimmt. Andere Supermärkte bleiben bei moderateren Preisen. Rewe am Hauptbahnhof verlangt für die Flasche Augustiner 1,49 Euro, fürs Augustiner Oktoberfestbier 1,55 Euro.

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