Besucherin wird umgestylt

Vom Trachtenmuffel zum Wiesn-Madl

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Claudia (29) aus München trägt eigentlich keine Tracht: Die tz stylte sie für die Wiesn um.

München - Ohne Dirndl auf die Wiesn? Ein Fall für die tz-Trachtenpolizei! Wir haben eine Oktoberfestbesucherin in Zivil abgegriffen und sie mit Hilfe von Profis umgestylt.

Claudia (29) wohnt zwar seit fünf Jahren in München, trotzdem erwischt die tz sie mit Jeans und Shirt am Eingang zum Oktoberfest. „Ich weiß nicht, ob mir das steht“, meint die Angestellte. Das wollen wir mal sehen! Gemeinsam mit Trachten Angermaier und dem Schönheitssalon Make-up-Box wird Claudia heute umgestylt: vom Trachtenmuffel zum Wiesn-Madl!

Die Verwandlung startet bei Trachten Angermaier in der Landsberger Straße: Hier darf sich Claudia ein Dirndl aussuchen. Lang, kurz, blau, grün, die Bluse mit Schnürung oder geknöpft – bei der Riesen-Auswahl fällt die Entscheidung schwer. Ab in die Umkleidekabine!

„Ich hab’s“, tönt es eine Stunde später hinter dem Vorhang hervor. Tata, das ist Claudias Wahl: Ein sexy rotes Kleid mit Karorock und Seidenschürze (249,90 Euro) und eine weiße Knopfbluse (49,90 Euro). Bei dem Anblick ist auch Angermaier-Chef Axel Munz begeistert: „Wow. Als hätte sie nie was anderes getragen!“

Weiter geht’s in der Make-up-Box in der Anglerstraße 12 (Westend) bei Stylistin Elisa Koester. Bei einem Glas rosa Prosecco werden die Vorstellungen besprochen: Romantisch und natürlich soll es werden. Elisa legt mit den Haaren los: Sie zieht einzelne Strähnen durchs Glätteisen, dreht sie dann auf Lockenwickler auf.

Was machte Einstein auf der Wiesn? Kuriose Fakten zum Oktoberfest

"Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit" - wer dieses Lied nicht beherrscht, hat in einem Wiesn-Zelt eigentlich nichts verloren. Der berühmte Trinkspruch stammt jedoch aus einer sächsischen Feder. Der Chemnitzer Musiker Bernhard Dittrich verfasste das Lied, nach dem anschließend ein kräfter Schluck aus der Mass genommen wird. © dpa
Wiesn historisch: Zu Beginn der Festivitäten im Jahre 1810 ist auf dem Oktoberfest kein Alkohol ausgeschenkt worden. Bier und Hochprozentiges mussten sich die Besucher außerhalb des Festgeländes besorgen. Die Veranstalter erkannten das Problem aber rasch und erlaubten den Alkoholgenuss schließlich. Erst dann etablierten sich die Bierzelte in ihrer heutigen Form. © dpa
Das Kunst Projekt "Les désastres de la bière" stellt die negativen Nebeneffekte der Wiesn dar: Wildbiesler, sich übergebende Menschen und sonstige Peinlichkeiten werden dort gezeigt. © dpa
Auf der Wiesn muss erstmal a gscheite Mass her. Und die ist richtig teuer geworden. Dieses Jahr liegt der Masspreis bei bis zu 10,70 Euro. © dpa
Die Lederhose ist für viele Männer ein Muss für ein Wiesn-Besuch. Das feine Leder für die bayerische Tracht kommt allerdings oft von Ziegen, die in Indien oder Pakistan grasten. Die Originale ist natürlich die Hirschlederne. Neuerdings gibt es auch vegane Tracht. © dpa
Das Online-Aktionshaus Ebay verdient sich mit der Wiesn ebenfalls eine goldene Nase. Insgesamt befinden sich 221.169 Artikel rund um das Oktoberfest (Stand 30.09.2016) im Angebot. © dpa
Hätten Sie es gewusst? Albert Einstein, Physik-Nobelpreisträger, verdiente einst sein Geld auf der Wiesn. Das Genie arbeitete 1896 als Hilfsarbeiter beim Aufbau des Schottenhamel-Festzeltes. Dort soll er elektrische Kabel verlegt haben. © dpa
Extra für die Wiesn stellt die Post eine eigene Geschäftsstelle an die Theresienwiese. Dort werden Souvenirs verkauft und Grüße direkt vom Festgelände in die weite Welt verschickt. Bis zu 130.000 Sendungen wurden im Jahr 2012 an Freunde und Familie gesendet. © dpa
Eine Mass oder acht Stamperl Schnaps? Das ist Geschmackssache. Vom Alkoholgehalt macht dies kaum Unterschiede, da das Wiesn-Bier stärker ist als Normales. 2016 hat das US-Konsulat Touristen sogar davor gewarnt.   © dpa
Während Millionen Touristen nach München fliegen und fahren, versuchen tausende einheimische Bürger dem Spektakel zu entfliehen. Hauptziele der Münchner: Städtetrips nach New York, Kopenhagen und - besonders beliebt - Bangkok. © dpa
Hoteliers freuen sich jedes Jahr erneut über die "fünfte Jahreszeit" in München. Die Preise für ein Zimmer verdoppeln sich schlagartig zum Wiesn-Beginn. © dpa

Während die Wickler auskühlen, ist das Make-up dran. Sonst schminkt sich Claudi kaum: „Ich trag höchstens Eyeliner und Wimperntusche.“ Elisa trägt Make-up und Rouge auf. Die Brauen zieht sie mit Lidschatten nach, dann betont sie die Augen mit Lidstrich, Lidschatten und Wimperntusche. „Die sollte auf der Wiesn wasserfest sein – so trotzt sie Regen, Schweiß und Bierduschen.“ Auf die Lippen kommt ein Nudeton, am Schluss fixiert die Stylistin alles mit Transparentpuder. „So hält es die ganze Nacht!“

Jetzt geht es weiter mit der Frisur: Wickler ausdrehen, durchbürsten, dann rechts und links zwei Strähnen abteilen, flechten und am Hinterkopf mit Klammern befestigen. Passend zum Dirndl steckt Elisa noch rote Röschen ins Haar – fertig!

Zurück auf der Wiesn – jetzt folgt der Praxistest. „Wahnsinn“, jubelt Claudia. „Ich fühle mich wie eine Prinzessin. Das wird ein langer Wiesn-Abend!“

Christina Meyer

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