Wer was auf dem Oktoberfest besitzt

Wem gehört die Wiesn?

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Das größte Volksfest der Welt dauert in diesem Jahr bis zum 7. Oktober.

Das Warten hat ein Ende! Ab Samstag steht München wieder Kopf: Um 12 Uhr zapft Oberbürgermeister Christian Ude im Schottenhamelzelt das erste Fass an. Doch wem gehört die Wiesn eigentlich?

Die Stadt für 16 Tage im Ausnahmezustand: Endlich wieder Wiesn! Das größte Volksfest der Welt lockt jährlich knapp sieben Millionen Besucher auf die Theresienwiese, die in einem der 14 großen Zelte (mit dem Festzelt auf dem Zentralen Landwirtschaftsfest sind es sogar 15) ihre Mass Bier und ein Hendl genießen, Achterbahn oder Karussell fahren oder sich an einem der Standl Mandeln und Zuckerwatte kaufen. Die Wiesn - ein Fest der Superlative. Hier gibt es alleine 128 gastronomische Betriebe, darunter 20 Wurstbratereien, vier Fischbratereien und sechs Hühnerbratereien. Auf die Naschkatzen warten 117 Süßigkeitenstände, 70 Standl verkaufen Scherzartikel und Andenken. 130 Schausteller stehen auf der Wiesn, 21 davon mit Fahrgeschäften, 52 mit Wurf- und Schießbuden, für die Kinder gibt es vier Karussells und zwei Reitbahnen.

Wer etwas  auf der Wiesn sein Eigen nennt, wird von vielen beneidet. Schließlich gilt das Oktoberfest als große Goldgrube. Doch wem gehört die Wiesn eigentlich? Hat das Festgelände  einen  Eigentümer? Wer die Festzelte sein eigen nennen, wem gehören die ganzen Imbissbuden und Fahrgeschäfte? Und wie viel kostet eigentlich eine große Achterbahn, wie viel ein kleines Andenkenstandl? Die tz lüftet das Geheimnis und erklärt, was Stadt und Freistaat gehört und welche Familien bekannte oder mehrere Betriebe besitzen.

München im Wiesn-Fieber

Macht müde Männer munter. © cs
Deko-Alarm am Hauptbahnhof. © cs
Deko-Alarm am Hauptbahnhof. © cs
Doppelansichten... © cs
Dieser Bär kann alles, was man in Bayern braucht. © cs
Sogar Lindt gestaltet Wiesn-Herzen. © cs
Sogar Lindt gestaltet Wiesn-Herzen. © cs
Obwohl Starbucks mit der bayerischen Tradition wenig am Hut hat, gibt`s im Münchner Starbucks trotzdem Oktoberfest-Tassen und Becher. © cs
"Schee" ist die Oktoberfest-Tasse von Starbucks aber schon. © cs
Die neuen Choclait Chips in Brezn-Form! © cs
Natürlich müssen die Pflaster auch zum Wiesn-Outfit passen, dachte sich hier wohl der Hersteller. © cs
Das iPhone sollte auch dem Oktoberfest-Style angepasst werden. © cs
Kitsch ist zur Wiesn-Zeit erlaubt: Dieser Brotkorb vermittelt Oktoberfest-Feeling am Frühstückstisch. © cs
Sogar Mickey und Minnie sind offensichtlich Fan von Dirndl und Lederhosn. © cs
Karrierte Hemden sind trachtig genug, dachte sich dieses Geschäft. © cs
Ob sich Handys in Oktoberfest-Deko besser verkaufen? © cs
Ein Highlight: Die "bayerische Brille". © cs
Einmal "Restwärme" zum Mitnehmen bitte. © cs
Noch Single? Nicht mehr lange mit dieser Tasche. © cs
Für alle, die gerne Mal mit ihrer Mass kuscheln... © cs
Das Wiesn-Beauty-Set. Ob es tatsächlich schöner macht sei dahingestellt - aber die Verpackung ist nett. © cs
Nach der Starbucks-Tasse darf dieses Exemplar natürlich nicht fehlen! © cs
Ob dieses Schuhe wohl als Ersatz für Haferlschuhe durchgehen? © cs
Bettwäsche soll das Wiesn-Feeling komplett machen. © cs
Auch beim Bäcker gibt`s jetzt Oktoberfest-Herzen so weit das Auge reicht. © cs
Ein Highlight: Der sprechende Flaschenöffner sagt "Prost". © cs
Hier können Männer unter Beweis stellen, dass ihre Fähigkeiten in Punkto "Dekolletès wieder erkennen" sehr gut sind. © cs
Wer fühlt sich angesprochen? © cs
Damit die Nägel immer zum Dirndl passen. © cs
Einfach süß diese Männchen. © cs
Die neuen Wiesn-Handtaschen. © cs
Natürlich wäre ein unbayerisches Feuerzeug ein "No-Go" auf dem Oktoberfest. © cs
Salamander in Tracht. © cs
Alles, was das Oktoberfest-Herz begehrt. © cs
Oberfesche Wadl-Wärmer. © cs
Der etwas andere Trachten-Style. © cs
Der etwas andere Trachten-Style. © cs
Der Fußboden dieses Geschäfts war gepflastert mit Wiesn-Herzen. © cs
Ein Fußboden gepflastert mit Wiesn-Herzen. © cs
Damit man nach dem anstrengenden Wiesn-Besuch bis Mittag ausschlafen kann. © cs
Aua! Hier weint das Auge, aber es freut sich das Kitsch-Herz. © cs
Unnötig ist dieses Produkt vielleicht, aber in "bayerischer Verpackung" gut zu verkaufen während der Wiesn-Zeit. © cs
Brezn hängen mittlerweile in fast jedem Schaufenster. Sieht aber auch ganz hübsch aus. © cs
Schon Mal eine Kamera auf der Wiesn verloren? Dann sollte man sich die Wiesn-Kamera zulegen: 27 Schuss, Einweg und kostet fast nur 15 Euro. © cs
Das Kitsch-Herz freut sich: Oktoberfest-Schmuck! © cs
Das Kitsch-Herz freut sich: Oktoberfest-Schmuck! © cs

Stadt & Staat

42 Hektar ist das Festgelände auf der Theresienwiese groß, auf das in diesen Tagen die Welt blickt. Der Grund gehört der Stadt München. Sie kassiert jedes Jahr von allen Zelten, Fahrgeschäften und Buden Standmieten. Angeblich zahlen die großen Bierzelte zwischen 150 000 und 180 000 Euro -  dem Revisionsbericht zufolge spülen diese insgesamt 2,4 Millionen Euro in die Stadtkasse. Die Stadt kann aber noch mehr auf der Wiesn ihr Eigen nennen: Ihr gehören auch insgesamt 79 Holz-Standl, die in den Straßen stehen und für den Verkauf von Feinkost, alkoholfreien Getränke oder Souvenirs vermietet werden. Auch im Eigentum: der Behördenhof mit Vertretungen der Polizei, der Feuerwehr, des Roten Kreuzes und der Stadt. Was viele nicht wissen: Die 74 Breznstandl, die an den Haupt- und Seiteneingängen der Zelte stehen, sind städtisch. „Die Standl werden von uns an bedürftige, meist ältere Münchner vergeben, die sich mit dem Verkauf etwas dazu verdienen können“, erklärt Claudia Bauer von der Veranstaltungsabteilung. Der Freistaat kann auf dem Oktoberfest nur ein Objekt sein Eigen nennen - aber was für eines: die Bavaria, das Wahrzeichen, mitsamt der Ruhmeshalle. Die Schlösser- und Seenverwaltung kümmert sich um die 18,5 Meter hohe Statue.

Power Tower und Alpina Bahn

Den verschwägerten Familien Schneider und Bruch gehören zwei rasante Fahrgeschäfte. Ewald Schneider (46) und Gattin Christina Bruch-Schneider (44) besitzen den 66 Meter-Power-Tower (Foto re.), den sie 1998 für 5,5 Mio. DM gekauft haben und der seit 2003 hier steht. Christinas Cousine Angela Bruch (41) gehört die Alpina Bahn, die mit knapp 3000 qm den zweitgrößten Platz auf der Wiesn einnimmt.

Cyber Space

Wenn Alfons Egon Kaiser (39) im Kassenhaus sitzt, hat er seine Gäste im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand! Er steuert sein Fahrgeschäft, das Cyber Space, über einen Joystick: „In 50 Metern Höhe löse ich die Bremse, dann stürzt die Gondel mit 100 km/h nach unten. Das ist wie Bungee-Jumping!“ 1,2 Millionen Euro kostete das Fahrgeschäft. Mit dabei: Ehefrau Heidi (33) und die Töchter Alisha (7) und Zoé (3).

Teufelsrad

Seit 104 Jahren steht das Teufelsrad auf der Wiesn. Seit acht Jahren gehört es Elisabeth Polaczy (66, Foto), ihrem Bruder Franz Fesenmayer sowie den Neffen Ludwig und Nichte Veronika Kugler. Die Familie besitzt das Amüsier-Geschäft, bei dem die Besucher sich auf einem drehenden Rad halten müssen, schon viele Jahrzehnte. Karl Valentin war hier Stammgast.

Die Zelte

Millionen Besucher sitzen während der Wiesn drin, doch wem gehört das Bierzelt eigentlich? Die meisten denken, dass die Zelte im Besitz der Wirte selbst sind. Das ist allerdings nur bei Michael Käfer (Käfer’s Wies’n-Schänke), Stephan Kuffler (Weinzelt) sowiebei Sepp Krätz (Hippodrom) der Fall. Das Augustinerzelt, das der Wirt Manfred Vollmer bewirtet, gehört dem Betreiber, der Brauerei. Die anderen Wirte aber mieten oder leasen ihre Zelte von großen Zeltverleih-Firmen - diese sind also die Eigentümer der meisten Zelte. Die Firmen bauen die Zelte nach Wunsch des Wirtes mit Sanitäranlagen, Treppen, Emporen und Balkonen auf. Das größte Zelt stellt Hofbräu jedes Jahr auf - es misst 62 mal 80 Meter! Und was passiert mit den Zelten nach dem Abbau? „Wir bewahren sie auf einer 18 000 Quadratmeter großen Fläche im Westen Münchens auf, auch eine riesige Halle steht dort“, sagt ein Mitglied der Geschäftsleitung der Firma Deuter zur tz. Wie viel die Brauereien allerdings an die Zeltfirmen zahlen, ist bislang ein gut gehütetes Geheimnis.  

Wilde Maus

Bei ihnen tanzen die Mäuse nicht auf dem Tisch, sondern auf einer 250 Tonnen schweren Achterbahn! Peter Münch sen. (58, l.) und sein Sohn Peter jun. (26) haben die Wilde Maus 1994 für sechs Millionen Mark gekauft, seitdem touren sie mit ihrem Fahrgeschäft durch ganz Deutschland. Eine Riesenanlage: Die Achterbahn benötigt auf der Wiesn 1530 Quadratmeter Platz, allein für den Transport der Wilden Maus sind zwölf Lkw nötig!

Olympia-Looping

Kein Schausteller hat mehr Platz auf der Wiesn: Rudolf Barth (73) belegt mit seiner Achterbahn Olympia-Looping 3527 Quadratmeter. Als er den Fünferlooping 1989 gekauft hat, kostete das 1050 Tonnen-Trumm 13 Millionen DM, heute würde es ein Vielfaches kosten. Barth ist in der 5. Generation Schausteller, betreibt aber nur noch dieses Geschäft „quasi als Altershobby“.

Krinoline

Dem Mittelfranken Matthias Niederländer (41) und seinem Sohn Louis (19) gehört die Krinoline, die seit 1924 in Familienbetrieb ist. Er führt die Tradition der Großeltern fort, die das Karussell damals zwei Tage vor der großen Inflation in Barzahlung ergattert haben. Die Krinoline steht nur auf der Wiesn - Niederländer arbeitet während des Jahres als Dozent in der Erwachsenenbildung.

Mandeln, Eis-Stände und Spanferkel

Familie Able ist seit 35 Jahren Gast auf der Wiesn. Heute gehören den Münchnern zwei gastronomische Betriebe und zwei Standl. Magdalena Able (76, Foto) gehört ein Mandelstand, Sohn Sigi besitzt die Kalbs-Kuchl, Sohn Josef das Spanferkel und der Enkel Sebastian einen Eisstand. Auch die Mutter der Schwiegertochter, Adele Fischer, betreibt einen Eisstand.

Höllenblitz

Holz knarrt, Steine wackeln, dann stürzt der Wagen durch den Wasserfall: In seinen Höllenblitz steigt Klaus Renoldi jun. (37) selbst gerne. Für 7,5 Millionen Euro ließ seine Familie die Achterbahn im Dunkeln nach eigenen Plänen bauen. „Unser großes Ziel ist es, die Gäste zu erschrecken“, grinst der Münchner. Seine Mama Trudi Renoldi führt bereits im vierten Jahr die Wildstuben. Klaus Renoldi jun.: „Verhungern werde ich auf der Wiesn nicht …“

Top Spin, Zugspitzbahn & Co.

Peter Bausch (30), Juniorchef der Riesenschaukel Top Spin, fühlt sich auf der Wiesn wie daheim: Sein Bruder betreibt nur ein paar Meter weg einen Schnapsstand, sein Onkel führt den Weißbierstadl, die Cousins sind Chefs der Zugspitzbahn, vom Autoscooter Rallye 2000 und der Rollenden Metzgerei. 1990 kauften seine Eltern die Riesenschaukel für 2,5 Millionen D-Mark.

Tobbogan

Den Konrads gehört eines der ältesten und bekanntesten Geschäfte: das Tobbogan, bei dem die Besucher auf dem Laufband hinauffahren und dabei oft auf den Boden plumpsen. Claus Konrad (44)aus Vilgertshofen  betreibt die Rutsche mit Mutter Astrid (72) im 79. Jahr auf der Wiesn. Unterm Jahr ist er als Berufssoldat tätig. „Mein Vater hat nach viele Jahrzehnten des Reisens damit aufgehört.“

Rio Rapidos

Wasser marsch! Siegfried Kaiser jun. (30; re.) ist Herr über die Wildwasserbahn Rio Rapidos. Zur Wartung schlüpft er auch mal in Badeshorts: „Wasserscheu darf man nicht sein“, sagt der Juniorchef, der aus einer alten Schaustellerfamilie stammt. Sein Vater Siegfried Kaiser sen. (64) führt das Skater, seine Schwestern ein Kettenkarussell und das High Energy. Alle Fahrgeschäfte sind in Familienbesitz.

Vier Andenkenstände

Sepperlhut und Riesen-Stofftiere: Gleich vier Andenkenstände gehören der Familie von Sonja (52) und Willi Pangerl (60). Die beiden betreiben einen zwischen Löwenbräuzelt und Winzerer Fähndl. Ihre Mutter, ihr Cousin und seine Mutter stehen auch auf dem Gelände. Eine Hütte kostet in der Anschaffung etwa 10 000 Euro, sagen sie. Die Familie ist das ganze Jahr auf bayerischen Volksfesten unterwegs.

Peaches und Miri’s Hüttn

Wer mehr auf Cocktails als auf Bier steht, ist im Peaches von Peter Messerschmitt (63) richtig. „Bei uns treffen sich die Wiesn-Besucher zum Flirten“, erklärt der Gastronom, der unter anderem das Peaches in Garmisch-Patenkirchen betreibt. Auch Tochter Miriam Messerschmitt (27) verkauft ein paar Meter weiter an Miri’s Hüttn Hochprozentiges - beide Stände gehören der Familie.

Freestyle, Amazonas und Buden

Agtsch, überall Agtsch: Die Münchner Schaustellerfamilie belegt acht Standplätze. Anita (33, im Foto mit Tochter Jamie) betreibt mit ihren Eltern Margarethe und Johann das Fahrgeschäft Freestyle, ihrem Buder gehört das Amazonas, ihrem Onkel eine Schießbude. Die weitere Verwandschaft besitzt zusätzliche Buden. Die Familie ist seit 40 Jahren auf der Wiesn. Anita war als echtes reisendes Schaustellerkind auf insgesamt 167 Schulen.

Autoscooter Distel und Jumboflug

Seit 1936 ist die Schausteller-Familie Distel mit dem Autoscooter auf der Wiesn. „Bei meinen Großeltern war das Fahrgeschäft für die Gäste ein Ersatz fürs Autofahren“, sagt Seniorchef Heiner Distel (56, r.). Heute betreibt er mit Frau Belinda (55, 2. v. l.) einen Autoscooter, den er 2007 für eine Million Euro kaufte. Sohn Heiner jun. (32, l.) führt mit seiner Freundin Dunja (25) das Kinderkarussell Jumboflug.

Nina Bautz, Christina Schmelzer, Christina Lewinsky

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