Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn gibt den Unionsbräu auf

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Seit mehr als 120 Jahren liegt der Unionsbräu samt Bierkeller und Brauerei an der Einsteinstraße in Haidhausen.

München - Die Wirtschaft mit 1000 Plätzen soll nie rentabel gewesen sein – jetzt gibt Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn den Unionsbräu in Haidhausen auf.

Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn gibt nach mehr als 20 Jahren den Unionsbräu in Haidhausen auf – und sucht nach einem Objekt in guter Lage, um eine neue bayerische Wirtschaft zu eröffnen. Der Pachtvertrag zwischen der Stadt München, der das Haus an der Einsteinstraße 42 gehört, und Löwenbräu läuft am 30. November aus – und damit auch der Vertrag zwischen Wirt und Brauerei.

Allerdings sei das noch nicht ganz sicher, sagt Hagn: „Es gibt noch einmal Gespräche zwischen der Brauerei und der Stadt. Die müssen wir jetzt abwarten.“ Trotzdem habe er seinen 45 Mitarbeitern bereits gekündigt: „Die arbeiten zum Teil seit 20 Jahren mit uns, da sind die Kündigungsfristen länger. Fairerweise habe ich dann allen gekündigt“, sagt Hagn.

Die Könige der Wiesn

Die Könige der Wiesn

Festzelte Wirte Oktoberfest
Fischer Vroni: Hans Stadtmüller und Schwester Silvia zieht es nicht auf den roten Teppich, Wirt Hans dreht lieber auch mal selbst an den Steckerln seiner berühmten Fische. Er ist vor sieben Jahren in die Fußstapfen der legendären „Fischer- Vronis“, seiner Mutter Eva und deren Schwester Anita Schmid, getreten, die gestorben waren. Im Zelt finden 2800 Gäste Platz. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Winzerer Fähndl: Peter Pongratz mit Ehefrau Arabella: Seit 2010 ist Pongratz nicht nur Chef des größten Wiesn-Zeltes mit 8450 Sitzplätzen innen und 2450 im Garten, sondern auch Besitzer eines nagelneuen Zeltes mit technisch hochmodernem zentralen Bierzapfsystem. Der Wirt vom „Paulaner am Nockherberg“ hat das Winzerer Fähndl im Jahr 2003 übernommen. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Bräurosl: Der Vater von Georg Heide, der berühmte Willy Heide, hat das familienfreundliche Zelt mit seinen 6200 Plätzen 2001 an den Sohn übergeben. Dieser leitet es mit vergleichsweise großer Gelassenheit – weil er einfach ein solcher Typ ist, und weil ihm Frau Renate und Tochter Daniela zur Seite stehen. Den Rest des Jahres führt er die „Heide Vollm" in Planegg. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Augustinerzelt: Thomas Vollmer passt perfekt zu seinem bodenständigen und traditionellen Zelt (5600 Plätze). Er ist ruhiger als viele Kollegen und scheut den großen Medienrummel. Auch in der Hausbox ist er seltener anzutreffen. Im normalen Leben arbeitet er in der berühmten „Augustiner Bräustuben“ in der Fußgängerzone. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hippodrom: Bei Sepp und Tina Krätz feiern die Reichen und Schönen. Und der Wirt ist Kult auf der Wiesn, genauso wie sein Zirkuszelt: Sepp Krätz, der Gastronom des Jahres, hat das Hippodrom zu einer Top-Adresse auf der Wiesn gemacht. Motto: klein und fein. Bei den 3000 Gästen kommt schon auch einmal Champagner in die Krüge. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schottenhamel: Christian, Peter und Michael Schottenhamel: In keinem Büro geht’s lustiger zu als bei der Männerbande der Schottenhamels. Peter und Christian sind nicht, wie oft vermutet, Vater und Sohn, sondern Cousins und veräppeln sich gerne gegenseitig. Mittlerweile ist auch Peters Halbbruder Michael im Boot. In ihrem Zelt (6000 Plätze) zapft der OB an. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hofbräu Friedrich und Günter Steinberg haben Platz für 6800 Gäste. Kürzlich haben Günter und seine Frau Margot ein ehrliches Buch über Familienglück und Ehekrisen herausgebracht. Der Titel: „Maßvoll – ein Leben mit Bibel und Bier“. Die gläubige Familie ist in ihrem Zelt und auch in ihrem Hofbräukeller auf Harmonie bedacht. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Löwenbräu: Wiggerl Hagn (r.), Tochter Stephanie Spendler (l.) und Ehemann Michael sind die Chefs im Löwenbräu: Hagn ist ein echtes Münchner Wiesn-Kindl. Seine Eltern haben das Schützen- Festzelt aufgebaut. Logisch, dass auch er Wirt wurde: Seit 1979 gehört ihm das Löwenbräu-Zelt (6000 Plätze). Markantes Wahrzeichen: der 4,5 Meter große, brüllende Löwe. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Käfer Wiesn-Schänke: Michael Käfer mit Ehefrau Clarissa (41) bieten 1164 Gästen Platz. Er ist der prominenteste Wirt auf der Wiesn, nicht zuletzt wegen seines Vaters, dem Feinkost-Mogul Gerd. In seiner kleinen Almhütte ist alles anders: Michael Käfer (52) empfängt tagtäglich dutzende Prominente und muss sich eher um Details kümmern als um große Logistik. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Ochsenbraterei: Nach dem Tod von Wirte-Legende Hermann Haberl im Februar 2011 betreiben seine Frau Anneliese und Tochter Antje Schneider allein die Ochsenbraterei (6000 Plätze). Der Ochs am Spieß ist eines der besten Essen auf der Wiesn. Die Haberls sind seit 1980 auf dem Oktoberfest und zählen zu den Urgesteinen. Bei ihnen fühlen sich vor allem Familien wohl. Die Ochsenbraterei ist auch das perfekte Ambiente für eine gemütliche Firmenfeier. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Kufflers Weinzelt: „Wie verrückt muss man eigentlich sein, auf dem größten Bierzelt der Welt Wein zu verkaufen?“, erinnert sich Stephan Kuffler an die Zeit, als seine Eltern Roland und Doris das Zelt übernahmen. Das war 1984 – und das Konzept ging auf, das Weinzelt ist heute Kult. Hier feiern 2500 Wiesn-Nachtschwärmer bis 1 Uhr! Hoher Flirt- und Promifaktor zu später Stunde. © Kruse
Festzelte Wirte Oktoberfest
Armbrustschützen: Peter Inselkammer und seiner Familie gehört das halbe Münchner Platzl im Herzen der Stadt mit Hotel, Restaurant und Immobilien. Das Armbrustschützen- Zelt mit 5380 Plätzen führt Peters Familie schon seit 20 Jahren erfolgreich. Zu Kopf gestiegen ist ihnen dies alles nicht. Peter Inselkammers Frau Katharina entwirft nebenbei Wiesn-Schmuck. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hackerzelt: In Toni Roiderers Hackerzelt, dem „Himmel der Bayern“, kocht die Stimmung schon ab der ersten Mass. Die Leute stehen gleich nach Einlass auf den Tischen. Der kultige Wirte- Sprecher Toni Roiderer hat mit seiner Frau Christl und den Söhnen Markus und Thomas das 7000-Mann-Zelt zu einem der beliebtesten auf der Wiesn gemacht. Einlass ohne Reservierung: so gut wie unmöglich! © Haag
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schützen-Festzelt Edi Reinbold ist schon seit 30 Jahren auf der Wiesn. Sein Schützen-Festzelt liegt direkt zu Füßen der Bavaria. 4800 Gäste können hier in für Wiesn-Verhältnisse gediegen-gemütlichen Ambiente feiern. Das Essen, insbesondere das Spanferkel, ist hier ausgezeichnet. Mittlerweile ist auch Reinbolds Sohn Ludwig im Geschäft. © Jantz

Dabei scheint seitens der Stadt einer Verlängerung des Pachtvertrags mit Löwenbräu nichts im Wege zu stehen: „Grundsätzlich spricht da nichts dagegen“, sagt Bernd Plank vom Kommunalreferat. „Wir gehen auch davon aus, dass Löwenbräu an dem Standort festhalten will. Aber bevor ein neuer Vertrag aufgesetzt werden kann, brauchen wir eine endgültige Aussage von Löwenbräu.“

Oliver Bartelt, Sprecher der zum US-Konzern Anheuser-Busch gehörenden Brauerei, sagt: „Wir haben selbstverständlich ein hohes Interesse an diesem Objekt, aber unter positiven wirtschaftlichen Verhältnissen. Der Vertrag wäre eigentlich bereits Ende 2011 ausgelaufen. Wir haben bewusst um ein Jahr verlängert, um Zeit zu schaffen, ein Neukonzept zu präsentieren und damit auch die wirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessern. Wir haben den Vertrag auch nicht von unserer Seite gekündigt, im Gegenteil, die Familie Hagn hat sich entschieden, das Objekt nicht weiterzuführen.“

Tatsächlich sagt Hagn: „Der Unionsbräu war noch nie rentabel. Es ging halt immer wegen der Kombination mit der Wiesn. Da konnten wir ordentlich was zuschießen.“ Denn mit ihren 1000 Plätzen und den vielen Nebenzimmern sei die Wirtschaft viel zu groß: „Bierkeller dieser Art laufen heute nicht mehr so. Die Gemütlichkeit, dass man zum Ratschen ins Wirtshaus geht, das hat sich verändert, vor allem seit Einführung des Rauchverbots“, sagt Hagn. Zudem könne er in Haidhausen mit den vielen Sozialwohnungen nicht die Preise verlangen, die er verlangen müsste, um rentabel zu sein. Gleichzeitig wolle sein Personal nicht weniger verdienen als an einem Arbeitsplatz in der Innenstadt.

Am Restaurant im Erdgeschoss des Unionsbräus – ohne Keller und Obergeschoss – habe er jedoch Interesse: „Man müsste ein neues Konzept für den Unionsbräu ausarbeiten und renovieren. Die technische Ausstattung ist kaputt und verbraucht.“ Sollte sich Hagn mit der Brauerei einigen, die laut Sprecher Bartelt noch keine Gespräche mit möglichen neuen Betreibern geführt hat, könnten einige der nun gekündigten Mitarbeiter zurückkehren: „Allerdings besteht die Gefahr, dass die dann schon anderweitig beschäftigt sind. Wenn mehr als drei Monate vergehen, kommen vielleicht noch fünf von 45 Mitarbeitern zurück“, meint Hagn.

Löwenbräu-Sprecher Bartelt betont: „Wir haben großes Interesse am Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur und investieren jährlich größere Beträge.“ Es gebe keine weiteren Pachtobjekte in dieser Größenordnung, bei denen Verträge auslaufen.

Bettina Stuhlweissenburg

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