Wirte greifen durch

Wer im Wiesn-Zelt ex säuft, fliegt raus!

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Ein alltägliches Bild auf der Wiesn: Ein Gast trinkt eine Mass in einem Zug, die Menge jubelt.

München - Sie stehen auf der Bank, schütten die Mass in einem Zug runter – und das Zelt jubelt. Bei ihren Kumpels sind die „Ex“-Säufer Helden. Einige Wiesn-Wirte schauen jetzt nicht länger zu!

Sie stehen auf der Bank, schütten die Mass in einem Zug runter – und das Zelt jubelt. Bei ihren Kumpels sind die „Ex“-Säufer Helden. Der Ruhm währt aber oft nur kurz. Denn einige Wiesn-Wirte schauen nicht länger zu: Jetzt fliegen die ersten Komasäufer aus dem Zelt!

„Das Ex-Trinken ist eine ­Unsitte, die um sich greift“, sagt Löwenbräu-Wirt Wiggerl Hagn. Mittlerweile gäbe es fünf solcher Fälle pro Tag. „Das Problem ist, dass der Jubel andere Gäste animiert, das nachzumachen. Es ist schwierig, das in den Griff zu kriegen.

Deshalb gibt’s nur eine Verwarnung von den Sicherheitskräften – beim zweiten Mal fliegt der ganze Tisch raus!“ Er sei auch von der Brauerei angehalten, das Ex-Trinken zu unterbinden, denn: „Bier ist ein Genussmittel, kein Rauschmittel!“

Im Schottenhamel spricht der Sicherheitsdienst Komasäufer ebenfalls an. „Wer dann nochmal Ärger macht, muss gehen“, sagt Wirt Michael F. Schottenhamel.

Den Pressmass-Trend konnte Toni Roiderer auch mit Wirte-Plakat nicht stoppen

Dabei waren die Wirte vor der Wiesn voller Hoffnung. Der Karikaturist Dieter Hanitzsch hatte eigens ein Plakat für alle Zelte entworfen. Der Text: „Mach dich nicht zum Affen“, und darunter: „Ex-Saufen is uncool.“ Aber Wirtesprecher Toni Roiderer (Hackerzelt) muss eingestehen: „Die Aktion war ein guter Versuch, aber ein Schuss ins Leere. Die Gäste haben schon am ersten Samstag alle Plakate bei uns runtergerissen.“ Winzerer-Fähndl-Wirt Peter Pongratz bestätigt: „Wir kommen gar nicht hinterher, die Plakate wieder aufzuhängen.“ Der Gast ließe sich, so Roiderer, nicht beeinflussen. „Deshalb müssen unsere Ordner jetzt alles versuchen, da einzuwirken.“

Muscheln und Currywurst vom Pferd: Wo die Wiesn mal anders schmeckt

Schnitzel auf dem Burger: Julia Krätz (25), Tochter von Hippodrom-Wirt Sepp Krätz, übernahm in diesem Jahr das Schnitzel-Standl vor dem Zelt. Hier gibt es für 5,50 Euro einen riesigen Schnitzelburger mit Salat, Tomate und vier Soßen zur Auswahl (Ketchup, Knoblauch, Mayo, Barbecue). „Unsere Schnitzel sind besonders saftig und knusprig“, verrät Julia Krätz. Alternative für Vegetarier: die frittierten Kartoffelecken (Tüte 3,50 Euro). © Bodmer
Tafelspitz und Kesselfleisch: Hier kommt der Tafelspitz nicht auf den Teller, sondern in die Semmel! Die neue Kesselfleisch- und Tafelspitzhütte von Wirt Daniel Able (Str. 4 Ost 1a) gehört zu den kleineren Standln auf der Wiesn, bringt das Fleisch aber groß raus. Die Tafelspitzsemmel mit Salat, Gurke, Tomate, Zwiebel und Kren kostet 5 Euro, die Kesselfleischsemmel gibt es für 4 Euro, die Tellerfleischsemmel für 5 Euro. Lust auf ein deftiges Frühstück? Von 10 bis 12 Uhr kostet die Weißwurst nur je 1 Euro. © Bodmer
Würstel mit Spezialsoße: Neu vor dem Weinzelt: Das Standl der Kuffler Metzgerei, bewirtet von Thomas und Sonja Schlederer. Hier gibt es – einmalig auf der Wiesn – Bosna: zwei Schweinswürstl mit einer Zwiebel-Senf-Curry-Sauce in der Semmel (5 Euro). Ebenfalls zu empfehlen: Käsekrainer im Krusti (4 Euro) und natürlich die goldprämierten Kuffler-Weißwürste (zwei Stück mit Brezn 5 Euro). Dazu schmeckt Cidre (3 Euro). © Bodmer
Bratwurstknödel: In der Münchner Knödelei wird heuer erstmals der Bratwurstknödel aufgetischt – aus der Auer Rauchwurz mit Semmelknödel, serviert auf rahmigem Sauerkraut mit Senf (13,50 Euro). Unbedingt mal probieren: Das Knödel-Dreier-Looping mit Spinatknödel, Kasknödel und Rote-Beete-Knödel auf rahmigem Wurzelgemüse-Durcheinander (14,80 Euro), als Dessert schmeckt Omas Zwetschgenknödel auf Vanillesoße (8,90 Euro). © Bodmer
Hollerblüten-Hugo: Der Hugo, seit Jahren das Sommer-Trendgetränk, erobert jetzt auch die Wiesn! Am Standl Hollerblüzzante (581 Ost) schenkt Anton Seidl eine süße Variante aus: Hugo aus Holunderblütensekt– auf Wunsch gibt es den auch in rot mit Hollerlikör (0,1 Liter je 4,50 Euro). Tipp: Genehmigen Sie sich am Abend ein Gläschen und genießen Sie dabei den Blick aufs beleuchtete Riesenrad.Fotos: Oliver Bodmer © Bodmer
Zwei Heringe in der Semmel: Manche Besucher kommen nur wegen seiner Heringssemmeln auf die Wiesn! „Wir haben viele Stammgäste“, sagt Christian Wunderer von Feinkost Wunderer (Matthias-Pschorr-Str. 7b). Das Besondere: In der Semmel (je 3 Euro) stecken zwei Heringe statt wie sonst üblich nur einer – ein echter Geheimtipp! Perfektes Anti-Kater-Mittel ist auch die Rollmopssemmel (3,50 Euro). © Bodmer
Das Beste vom Pferd: Der neue Renner auf der Oidn Wiesn: Die Pferdelendenfetzensemmel (8 Euro) beim Rosswurstbrater (Oide Wiesn 19), dem Standl von Kalman und Lena Brotschul. Pferd zählt mit dem geringen Fettanteil von vier Prozent und den vielen enthaltenen Mineralstoffen zu den gesündesten Fleischsorten! Auch neu im Angebot: Currywurst vom Pferd (mit Pommes 6,50 Euro, mit Semmel 4,50 Euro). © Bodmer
Jakobsmuscheln: Im neuen Standl vom Fisch Bäda (Str. 3 Ost 5) schwingt der Münchner Sternekoch Christian Loisl den Kochlöffel. Er und seine Kollegen zaubern fischige Delikatessen auf die Teller, etwa gebratene Jakobsmuscheln (19,50 Euro; Foto) oder Oktopus und Sepiatube mit Mojitosalz (18,50 Euro). Dazu stehen drei Beilagen zur Wahl (Risoléekartoffeln 3,50 Euro, Grillgemüse 3,90 Euro, Marktsalat 3,90 Euro). © Bodmer
Oktoberfest wird vegan: Auch ein anderer Trend erobert die Wiesn: veganes Essen, das ohne jegliche tierische Produkte wie Eier oder Milch zubereitet wird! In der Hühner- und Entenbraterei Ammer zum Beispiel steht heuer erstmals ein veganes Bio-Hühnerfrikassee aus Bio-Sojaschnitzerl mit Bio-Kapern und -Erbsen und Bio-Reis auf der Karte (13,50 Euro). Im Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn gibt es in diesem Jahr unter anderem vegane Kässpätzle (mit Zwiebeln und Salat 12,80 Euro) aus Wasser, Öl und Stärke. Fisch Bäda bietet sogar veganen Wein ohne Verwendung von tierischem Eiweiß (0,2 Liter 8 Euro). Bei Bier gilt generell: Solange es nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut wird, ist es vegan. © Bodmer

Das tun sie auch im Winzerer Fähndl. „Wir haben Leute auf dem Balkon postiert. Die lotsen das Personal im Mittelschiff über Funk zu den Pressmass-Trinkern. Wer nach der ersten Ermahnung nicht absetzt, wird rausbegleitet“, sagt Alois Raza vom Munich Security Service im Winzerer Fähndl. Wirt Peter Pongratz sagt, er bekomme davon nichts mit. „Wenn, dann haben mir die Ordner davon nichts erzählt …“

Alois Raza mit dem Entschuldigungsbrief

Aber auch Sicherheitsleute kennen Gnade. Alois Raza erzählt, er habe einem jungen Münchner eine zweite Chance gegeben. Dieser hatte Samstagfrüh gleich seine erste Mass auf ex geleert. Vor der Tür schrieb er den Securities einen Entschuldigungsbrief. „Da haben wir ein Auge zugedrückt – und der junge Mann war auch den ganzen Tag brav.“

bea/nba

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