Willy Heide tot: Er war der kleinste König der Wiesn

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Willy Heide ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

München - Er maß nur 1,57 Meter, doch auf der Wiesn gehörte er immer zu den ganz Großen. Schon als Bub salzte er die Hendl im Zelt seines Vaters, später wurde Willy Heide selbst zur Wirte-Legende. Nun trauert München um den kleinsten König der Wiesn:

In der Nacht auf Samstag starb das Wiesn-Urgestein im Alter von 91 Jahren.

„Er ist ganz sanft eingeschlafen“, berichtet Schwiegertochter Renate Heide der tz. Gesundheitlich war Willy Heide schon länger angeschlagen. Erst Ende Juli kam er mit einem Schwächeanfall ins Krankenhaus, war seitdem auf Gehwagerl und Rollstuhl angewiesen (tz berichtete). „Er war zwar stabil, aber immer noch sehr schwach. Scheinbar hat er sich nie ganz erholt“, sagt Renate Heide. Vor etwa einer Woche verschlechterte sich sein Zustand. Heide wurde ins Krankenhaus Dritter Orden eingeliefert– dort starb er an schweren Darmblutungen.

Die Könige der Wiesn

Festzelte Wirte Oktoberfest
Fischer Vroni: Hans Stadtmüller und Schwester Silvia zieht es nicht auf den roten Teppich, Wirt Hans dreht lieber auch mal selbst an den Steckerln seiner berühmten Fische. Er ist vor sieben Jahren in die Fußstapfen der legendären „Fischer- Vronis“, seiner Mutter Eva und deren Schwester Anita Schmid, getreten, die gestorben waren. Im Zelt finden 2800 Gäste Platz. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Winzerer Fähndl: Peter Pongratz mit Ehefrau Arabella: Seit 2010 ist Pongratz nicht nur Chef des größten Wiesn-Zeltes mit 8450 Sitzplätzen innen und 2450 im Garten, sondern auch Besitzer eines nagelneuen Zeltes mit technisch hochmodernem zentralen Bierzapfsystem. Der Wirt vom „Paulaner am Nockherberg“ hat das Winzerer Fähndl im Jahr 2003 übernommen. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Bräurosl: Der Vater von Georg Heide, der berühmte Willy Heide, hat das familienfreundliche Zelt mit seinen 6200 Plätzen 2001 an den Sohn übergeben. Dieser leitet es mit vergleichsweise großer Gelassenheit – weil er einfach ein solcher Typ ist, und weil ihm Frau Renate und Tochter Daniela zur Seite stehen. Den Rest des Jahres führt er die „Heide Vollm" in Planegg. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Augustinerzelt: Thomas Vollmer passt perfekt zu seinem bodenständigen und traditionellen Zelt (5600 Plätze). Er ist ruhiger als viele Kollegen und scheut den großen Medienrummel. Auch in der Hausbox ist er seltener anzutreffen. Im normalen Leben arbeitet er in der berühmten „Augustiner Bräustuben“ in der Fußgängerzone. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hippodrom: Bei Sepp und Tina Krätz feiern die Reichen und Schönen. Und der Wirt ist Kult auf der Wiesn, genauso wie sein Zirkuszelt: Sepp Krätz, der Gastronom des Jahres, hat das Hippodrom zu einer Top-Adresse auf der Wiesn gemacht. Motto: klein und fein. Bei den 3000 Gästen kommt schon auch einmal Champagner in die Krüge. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schottenhamel: Christian, Peter und Michael Schottenhamel: In keinem Büro geht’s lustiger zu als bei der Männerbande der Schottenhamels. Peter und Christian sind nicht, wie oft vermutet, Vater und Sohn, sondern Cousins und veräppeln sich gerne gegenseitig. Mittlerweile ist auch Peters Halbbruder Michael im Boot. In ihrem Zelt (6000 Plätze) zapft der OB an. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hofbräu Friedrich und Günter Steinberg haben Platz für 6800 Gäste. Kürzlich haben Günter und seine Frau Margot ein ehrliches Buch über Familienglück und Ehekrisen herausgebracht. Der Titel: „Maßvoll – ein Leben mit Bibel und Bier“. Die gläubige Familie ist in ihrem Zelt und auch in ihrem Hofbräukeller auf Harmonie bedacht. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Löwenbräu: Wiggerl Hagn (r.), Tochter Stephanie Spendler (l.) und Ehemann Michael sind die Chefs im Löwenbräu: Hagn ist ein echtes Münchner Wiesn-Kindl. Seine Eltern haben das Schützen- Festzelt aufgebaut. Logisch, dass auch er Wirt wurde: Seit 1979 gehört ihm das Löwenbräu-Zelt (6000 Plätze). Markantes Wahrzeichen: der 4,5 Meter große, brüllende Löwe. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Käfer Wiesn-Schänke: Michael Käfer mit Ehefrau Clarissa (41) bieten 1164 Gästen Platz. Er ist der prominenteste Wirt auf der Wiesn, nicht zuletzt wegen seines Vaters, dem Feinkost-Mogul Gerd. In seiner kleinen Almhütte ist alles anders: Michael Käfer (52) empfängt tagtäglich dutzende Prominente und muss sich eher um Details kümmern als um große Logistik. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Ochsenbraterei: Nach dem Tod von Wirte-Legende Hermann Haberl im Februar 2011 betreiben seine Frau Anneliese und Tochter Antje Schneider allein die Ochsenbraterei (6000 Plätze). Der Ochs am Spieß ist eines der besten Essen auf der Wiesn. Die Haberls sind seit 1980 auf dem Oktoberfest und zählen zu den Urgesteinen. Bei ihnen fühlen sich vor allem Familien wohl. Die Ochsenbraterei ist auch das perfekte Ambiente für eine gemütliche Firmenfeier. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Kufflers Weinzelt: „Wie verrückt muss man eigentlich sein, auf dem größten Bierzelt der Welt Wein zu verkaufen?“, erinnert sich Stephan Kuffler an die Zeit, als seine Eltern Roland und Doris das Zelt übernahmen. Das war 1984 – und das Konzept ging auf, das Weinzelt ist heute Kult. Hier feiern 2500 Wiesn-Nachtschwärmer bis 1 Uhr! Hoher Flirt- und Promifaktor zu später Stunde. © Kruse
Festzelte Wirte Oktoberfest
Armbrustschützen: Peter Inselkammer und seiner Familie gehört das halbe Münchner Platzl im Herzen der Stadt mit Hotel, Restaurant und Immobilien. Das Armbrustschützen- Zelt mit 5380 Plätzen führt Peters Familie schon seit 20 Jahren erfolgreich. Zu Kopf gestiegen ist ihnen dies alles nicht. Peter Inselkammers Frau Katharina entwirft nebenbei Wiesn-Schmuck. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hackerzelt: In Toni Roiderers Hackerzelt, dem „Himmel der Bayern“, kocht die Stimmung schon ab der ersten Mass. Die Leute stehen gleich nach Einlass auf den Tischen. Der kultige Wirte- Sprecher Toni Roiderer hat mit seiner Frau Christl und den Söhnen Markus und Thomas das 7000-Mann-Zelt zu einem der beliebtesten auf der Wiesn gemacht. Einlass ohne Reservierung: so gut wie unmöglich! © Haag
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schützen-Festzelt Edi Reinbold ist schon seit 30 Jahren auf der Wiesn. Sein Schützen-Festzelt liegt direkt zu Füßen der Bavaria. 4800 Gäste können hier in für Wiesn-Verhältnisse gediegen-gemütlichen Ambiente feiern. Das Essen, insbesondere das Spanferkel, ist hier ausgezeichnet. Mittlerweile ist auch Reinbolds Sohn Ludwig im Geschäft. © Jantz

Nicht nur für die Familie, für die ganze Wiesn ist der Tod von Willy Heide ein großer Verlust. 74 Jahre Wiesn-Erfahrung – das macht ihm so schnell keiner nach. Seine Karriere begann 1936, als seine Eltern Wiesn-Wirte der Bräurosl wurden. Willy, damals fast 17, half als Tellerwäscher und Hendlsalzer. 1953 wurde er offiziell Wiesn-Wirt, nach dem Tod seines Vaters 1971 übernahm er von seinen Eltern die Gaststätte Heide-Volm in Planegg.

1985 starb seine Ehefrau Fanny, mit der er 33 Jahre verheiratet war. „Der größte Schicksalsschlag in meinem Leben“, sagte Heide damals der tz. Doch er rappelte sich auf. Noch im selben Jahr wurde er als Nachfolger von Richard Süßmeier Sprecher der Wiesn-Wirte, bis ihn 2001 Toni Roiderer ablöste.

In seiner Amtszeit erfand Heide das Standkonzert unter der Bavaria, bei dem alle Wiesn-Kapellen am zweiten Wiesn-Sonntag aufspielen. Mit einer riesigen Kerze im Arm pilgerte Willy Heide zudem jedes Jahr in die Wallfahrtskirche Maria Eich in Planegg, um dort für eine friedliche Wiesn zu beten.

Vor zehn Jahren übergab Heide die Wiesn-Geschäfte an seinen Sohn Georg und dessen Frau Renate. Doch in der Heide-Volm führte er mit seinem Sohn bis zuletzt die Geschäfte, wuselte zwischen den Tischen umher und sah in der Küche nach dem Rechten. „Er war Wirt mit Leib und Seele“, berichtet sein Sohn Georg.

Die nächsten Wochen, so kurz vor der Wiesn, werden für die trauernde Familie ein Kraftakt werden. „Das ist alles noch so frisch, im Moment funktionieren wir nur“, sagt Renate Heide. Der Betrieb auf der Wiesn soll aber wie gewohnt laufen. „Es wäre nicht im Sinne meines Vaters, einen Todesmarsch durch die Bräurosl zu veranstalten“, erklärt Georg Heide. Am Freitagvormittag wird Willy Heide auf dem Friedhof in Planegg beigesetzt.

Christina Schmelzer

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